Umgestaltung : Streit um die Bäume am Gendarmenmarkt

30.07.2010 08:59 UhrVon Lothar Heinke
  • Rigorose Umgestaltung oder behutsame Instandsetzung - diese Frage beschäftigte Berlin in den vergangenen Wochen. - Foto: dpa
  • Jetzt ist klar: Die Ahornbäume dürfen bleiben. Der Gendarmenmarkt gilt vielen als einer der schönsten Berlins. - Foto: AFP
  • Jetzt ist klar: Die 140 Kugelahornbäume dürfen bleiben. Der Gendarmenmarkt gilt vielen als einer der schönsten Plätze Berlins. - Foto: Kai-Uwe Heinrich

Der Kampf gegen eine sechs Millionen Euro teure radikale Umgestaltung des Gendarmenmarktes geht in die nächste Runde. Am Donnerstag startete eine Bürgerinitiative ihre Unterschriftenaktion.

Am Schillerdenkmal erhielten die Freunde und Förderer des Gendarmenmarktes als Initiatoren viel Zuspruch, die Planungen für die auf drei Jahre angesetzte Umgestaltung zu stoppen. Vor allem die Idee, sämtliche Kugelahornbäume zu opfern, stößt auf massiven Widerspruch.

Die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus spricht von unnötiger Luxussanierung eines intakten Stadtplatzes und die Grünen sagen, eine Musealisierung des Platzes sei falsch, „denn die Schönheit des Gebäudeensembles am Gendarmenmarkt gewinnt ihren Charme gerade im Zusammenwirken mit der alltäglichen urbanen Nutzung des Platzes“. Das Abhacken der über hundert kleinen Ahornbäume sei absurd, sagen die Grünen-Politikerinnen Franziska Eichstädt-Bohlig und Alice Ströver.

Notwendig sei nicht die Geldverschwendung durch den geplanten Umbau, sondern die solide Instandsetzung und Ausbesserung der Pflasterung und der Platzmöblierung sowie die überfällige Baumpflege.

Auch Lea Rosh, erfahren im Streit der Meinungen und Argumente, war gekommen, um die Beseitigung von Schattenspendern samt Chlorophyll „unmöglich“ zu finden: „Für mich ist dies inzwischen wirklich der schönste Platz in Europa. Er wird von den Gästen angenommen, wie er ist – die Argumente, den Platz umzumodeln, sind an den Haaren herbeigezogen. Die DDR hat hier mit viel Sorgfalt und Akribie etwas Schönes geschaffen.“ Das müsse man achten und pflegen, aber nicht beseitigen, sagte Lea Rosh.

Die Demosntranten wiesen gestern auch erneut darauf hin, dass die Stadtentwicklungsverwaltung mit ihrem Vorhaben massiv gegen Empfehlungen von Klimaforschern verstoße. Das städtische Grün müsse dringend in weitgehend versiegelten Bereichen und Plätzen bewahrt werden, lautet der Rat der Experten. Auf diese Weise könne man Gluthitze über dem Steinboden verhindern. Dieser strahle auch nachts noch lange Hitze ab wie Kachelöfen, während Grünflächen abends sehr schnell abkühlen.

Gegen die Argumente der Demonstranten stemmt sich Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe. Er ist ganz anderer Meinung, voll auf einer Linie mit der (abwesenden) Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Ephraim Gothe meint, dass die Bäume den Blick auf den Französischen Dom versperren, dass das kleinteilige Pflaster unschön ist und der Platz überhaupt nicht erhöht sein sollte. „Hier ist überhaupt keine Aufenthaltsqualität“, sagt der Bezirksstadtrat und verschränkt seine Arme vor der Brust – empörter Widerspruch: „Wer da alles unter dem Schatten der Bäume sitzt, ist doch kein Penner“, ruft Lea Rosh.

Die Standpunkte sind unversöhnlich. Am Stand vor dem „Refugium“ kann jeder unterschreiben, dass die Bäume bitte weiter rascheln mögen.Lothar Heinke

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