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Umkämpftes Kunsthaus : Brückenbau der Tacheles-Künstler kommt langsam voran

Am Sonnabend wurde auf der Oranienburger Straße für die Erhaltung des umkämpften Kunsthauses Tacheles demonstriert. Eine Skulptur, die eine Mauer im Torbogen überbrücken soll, ist noch nicht fertig.

Jakob Hauser
Turm der geplanten Brückenskulptur: Künstler und Besucher des Tacheles begannen bereits vor der Demo am Samstag mit dem Bau. Am nächsten Wochenende soll die Brücke fertig werden.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Jakob Hauser
07.05.2011 16:34Turm der geplanten Brückenskulptur: Künstler und Besucher des Tacheles begannen bereits vor der Demo am Samstag mit dem Bau. Am...

Rund 250 Demonstranten lauschten Bands und den Reden von Dr. Motte, Martin Reiter und Lothar Küpper. Gleichzeitig fanden mehrere Kunst-Performances statt. Eine Brückenskulptur aus Metallrohren, die von den Tacheles-Metallarbeitern zur Demo geplant war, konnte nicht rechtzeitig fertiggestellt werden. Lediglich der Turm stand ab 17 Uhr im Hof. Das Konstrukt überragt die Mauer um mehr als das Doppelte und soll nun am kommenden Sonnabend vollständig eröffnet werden.

Die Spannungen zwischen dem Sicherheitsdienst und den verbleibenden Künstlern nehmen zu. Der Sicherheitsdienst hat vor, bei der Überbückung die Polizei zu rufen. Diese geht nach eigenen Angaben davon aus, die Überbrückung nicht verhindern zu können.

Der Künstler Kihs, im Tacheles auch als Stevie bekannt, hat eigenen Angaben zufolge ein Angebot für seine Hütte mit Baumhaus in der hinteren rechten Ecke der Freifläche von Investorenanwalt Schultz abgelehnt. Kihs sagt, der Betrag von "weniger als zehntausend Euro" sei viel zu niedrig gewesen, darüber hinaus werde er nur in Absprache mit den anderen Hofnutzern agieren. Auf der Freifläche sind sich die Leute einig, dass der Künstler Pete Missing für seine Überschrift und Auszug von der angrenzenden Parzelle 5000 Euro genommen haben soll.

Seit März bedienen sich die kapitalstarken Investoren einer neuen Methode, um die Künstler loszuwerden: die Besetzer werden für das Ausziehen und Überschreiben ihrer Besitzrechte an die Investoren mit beachtlichen Geldsummen entlohnt. Hüseyin Arda, Leiter der Metallwerkstatt und einer der ursprünglichen Besetzer der alten Kaufhausruine, erhielt Anfang März das erste Angebot. Für 100 000 Euro sollte die Hofpartie geräumt werden, auf der die Metallwerkstatt steht. Dieses Angebot und ein weiteres, das Ende April gemacht wurde und 300 000 Euro bot, wurden beide öffentlich abgelehnt.

Die Tacheles-Künstler sind sich darüber einig, was dann passierte. Peter Multhaup, Betreiber des Studio 54 und des High End 54, soll sich mit einem Vorschlag über ein Auszugsentgelt Mitte März an die Investoren gewandt haben, woraus die Millionenzahlung entstanden sei, die die Räumung der größeren Teile des Hofes und der Gastronomie Anfang April zur Folge hatte. Investorenanwalt Michael Schultz redet offen von der Zielsetzung, die Freifläche möglichst schnell zu räumen. So kam es Freitag zum Auszug des Künstlers Pete Missing. Der schloss einen Vertrag mit Schultz, dessen Inhalt bis auf eine finanzielle Entschädigung in unbekannter Höhe für Missing unklar ist. Die Folge: ein Teil der verbleibenden Freifläche im Hof ist mit Bauzäunen abgesperrt und unzugänglich gemacht worden. Der Ausverkauf geht also weiter – das Tacheles geht den Berlinern scheibenweise verloren. Jakob Hauser

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