Berlin : Ums Gedenken sehr bemüht Diskussion über

Flierls Geschichtsbild

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Weniger ein Konzept, eher eine „Bemühenszusage“: Auf diesen schönen Begriff hat die FDPKulturpolitikerin Sibylle Meister die Vorschläge von Kultursenator Thomas Flierl zum Mauergedenken gebracht. Sie dürfte mit diesem Wort auch den Eindruck beschrieben haben, den die meisten der etwa hundert Zuhörer von Flierls lange angekündigten Überlegungen hatten. Getrieben von der Debatte über die Mauerkreuzinstallation am Checkpoint Charlie, gezwungen von der fraktionsübergreifenden Bundestagsinitiative für ein Denkmal zur Teilung am Brandenburger Tor, musste Flierl zusammenbringen, worum er sich sonst wenig gekümmert hat: die Reste und Spuren von Mauer und Teilung.

Beim Publikum und bei den Kommentatoren, die die Stiftung Aufarbeitung auf das Podium geholt hatte, kam Flierls Konzentration der Kräfte auf die Gedenkstätte Bernauer Straße gut an – weil man aus der Gedenkstätte und den Mauerresten in ihrer Nähe noch am ehesten ein Mauermal machen kann, das viele vermissen – eines, das Kälte, Ödnis und die Gefährlichkeit der Sperranlagen zeigt. Ob sich Flierl daran versuchen wird? Ihm fielen, als von der „Rekonstruktion“ der Mauer die Rede war, nur Worte wie „Hollywood“ und „Disney“ ein.

Dass Flierl überhaupt ein weitergehendes Interesse am Umgang mit den Mauerresten erkennen ließ, hatten die Kommentatoren auf dem Podium nicht erwarten können. Ihnen lag zur Vorbereitung auf die Diskussion ein Mauerpapier vor, das vor allem PDS-verträglich wirkte. Die Mauer war darin eine „von Menschen errichtete monströse Grenzanlage, eine politische Architektur, die Angst bannte und verbreitete“. Der Journalist Thomas Rogalla fand diese begriffshubernde Verunklärung der Mauer so ärgerlich, dass er aus dem Papier zitierte, auch wenn es nicht die aktuellste Fassung war, und Flierl fragte, wessen Angst die Mauer denn gebannt habe – die von Erich Honecker? Der Senator antwortete nicht. In seinem überarbeiteten Konzept vom Montagabend war die Mauer bloß noch eine „monströse Grenzanlage“. wvb.

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