Berlin : Umsonst und doch sehr teuer

Pro und Contra: Soll der Senat ein kostenfreies Kitajahr einführen? Viele bezweifeln, dass der Plan zu finanzieren – und sinnvoll ist

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Die vorschulische Bildung ist als Vorbereitung für die Schullaufbahn unersetzlich, darüber sind sich Bildungsexperten einig: Die Kinder lernen, auch mal zugunsten anderer zu verzichten; aber wenn es wichtig ist, durchaus für eigene Interessen einzustehen. Sie beschäftigen sich mit Sprache, Zahlen und gesunder Ernährung, lernen aber auch, Schnürsenkel zu binden und mit der Schere zu schneiden – so steht es im pädagogischen Programm der Berliner Kindertagesstätten. Diskutiert wird jetzt aber darüber, ob das letzte Kitajahr vor der Schule für Vier oder Fünfjährige so gut wie gratis sein soll. Ein solcher Parlamentsantrag kam einst von den Grünen, jetzt hat die rot-rote Koalition das Vorhaben zu ihrer Sache erklärt. Ab 2007, so wollen es die Befürworter, sollen Eltern statt der Mindestgebühr ab 46 Euro aufwärts allein 23 Euro Verpflegungskosten zahlen. Jugendpolitiker und Migrantenverbände unterstützen den Vorstoß der SPD in Berlin: Sozial benachteiligte Eltern sowie Migranten würden Sohn oder Tochter dann eher in die Kita geben. So stiegen die Chancen für diese Kinder, die Schullaufbahn gut vorbereitet zu beginnen, meinen die Genossen.

Skeptiker wie die FDP-Bildungsexpertin Mieke Senftleben halten das für „Wahlkampfgetöse“: Der Senat verspreche das „Blaue vom Himmel“. Kitas seien unterfinanziert, ein Gratis-Jahr schmälere Qualität und Vielfalt. Zudem haben die Haushalter von SPD und PDS erst die Hälfte der benötigten 10,8 Millionen Euro jährlich errechnet – Bögers Etat soll nicht leiden. „Da müssen Sterne vom Himmel fallen“, sagt ein PDS-Finanzexperte. Überdies wolle der Senat abwarten, ob das Bundesverfassungsgericht die Klage Berlins auf Bundeshilfen positiv bescheide. Wenn schon, dann ein Gratis-Jahr ohne Essensgeld, meinen türkische Elternvereine.

Eine gesetzliche Pflicht, das Kind in die Kita zu schicken, scheitert hierzulande bislang am Verfassungsrecht.kög

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