• Umstrittene TV-Dokumentation: Kreißsaal-TV: Auch Klinik steigt aus dem Filmprojekt aus

Umstrittene TV-Dokumentation : Kreißsaal-TV: Auch Klinik steigt aus dem Filmprojekt aus

Vivantes hatte das Kreißsaal-TV bis zuletzt verteidigt, nun zieht sich die Krankenhausleitung selbst zurück - doch nicht ganz freiwillig.

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Die Vivantes-Leitung hat sich am Dienstag von ihrem eigenen Filmprojekt "Kreißsaal-TV" verabschiedet.
Die Vivantes-Leitung hat sich am Dienstag von ihrem eigenen Filmprojekt "Kreißsaal-TV" verabschiedet.Foto: dpa

Die Vivantes-Leitung hat sich am Dienstag von ihrem eigenen Filmprojekt verabschiedet. Die Geschäftsführung der landeseigenen Klinikkette hatte sich zwei Wochen lang mit dem Senat um eine TV-Dokumentation gestritten, bei der Geburten gefilmt werden. Am Dienstag traf sich der Vivantes-Aufsichtsrat zu einer Sondersitzung. Das Gremium sollte entscheiden, ob Vivantes an der geplanten TV-Sendung „Babyboom – Willkommen im Leben“ festhalten darf. Einem etwaigen Beschluss ist die Klinikleitung unter Vivantes-Chef Joachim Bovelet gestern überraschend zuvorgekommen: Man richte sich nach dem Wunsch des Eigentümers und setze das Projekt nicht fort, hieß es. Bovelet wird Vivantes unabhängig davon demnächst auf eigenen Wunsch verlassen. Dem Vernehmen nach fühlte er sich schon 2012 durch den Senat gegängelt.

Wie berichtet, hatte eine Produktionsfirma in einigen Kreißsälen der Vivantes-Klinik in Friedrichshain 27 Kameras installiert. Damit sollten Geburten gefilmt werden, wenn Eltern und Mitarbeiter zuvor schriftlich einwilligen. Vor zwei Wochen hatte Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) den Dreh stoppen lassen. Er sehe die Rechte der Neugeborenen in Gefahr. Czaja gehört als Vertreter des Eigentümers, also dem Senat, dem Aufsichtsrat an. Innerhalb von Vivantes hatten sich viele für das Format ausgesprochen, unklar war, ob sich nicht auch im Aufsichtsrat eine Mehrheit für den Dreh gefunden hätte. Aus internen Papieren, die dem Tagesspiegel vorliegen, geht hervor, dass sich die Klinikleitung von der Sendung einen Werbeeffekt erhoffte. Andere Krankenhäuser hätten mit Sendungen aus ihren OP-Sälen positive Erfahrungen gemacht.

Ursprünglich hatte RTL das Format bestellt. Nach dem Drehstopp sagte der Sender ab, die ausführende Produktionsfirma war aber schnell mit anderen Kanälen im Gespräch. Dem Chef der Firma zufolge waren schon Geburtsszenen gefilmt, um damit zwei bis drei Sendungen zu gestalten. Die Produktionsfirma kann nun Schadensersatz geltend machen, sie hat einen Vertrag mit Vivantes. Schätzungen zufolge könnten die Kosten mehrere Hunderttausend Euro betragen. Man bespreche die „Modalitäten der Vertragsbeendigung“, teilte Vivantes mit.

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