Berlin : Umstrittene Vergabepraxis: Kein Lotto-Geld für den Tierschutzverein

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Beim Lottostiftungsrat ist auch der Tierschutzverein leer ausgegangen. Das aus sechs Politikern zusammengesetzte Gremium verteilt - weitgehend unkontrolliert - im Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag aus den Lotto-Überschüssen für soziale, karitative, kulturelle, sportliche und staatsbürgerliche Zwecke. Die Vergabepraxis ist, wie berichtet, seit Jahren umstritten. Die Ablehnung von Anträgen wird vom Stiftungsrat öffentlich nicht begründet. Vor zwei Jahren hatte der Tierschutzverein, dessen Kräfte nach Angaben von Tierheimchef Volker Wenk bereits durch den Bau des neuen Tierheimes überfordert werden, 7,539 Millionen Mark für eine neue Tiersammelstelle beantragt, das "Amtliche Fundbüro für Tiere". Die Lottoverteiler spendierten keine Mark.

Nur "hintenrum", so Wenk, habe man gehört, dass es keine Fördergelder für Projekte gebe, die eigentlich der Senat direkt finanzieren müsse. Dies treffe auch auf Fundtiere zu. Der Tierschutzverein habe den Senat daher aufgefordert, die Tiersammelstelle selbst bauen zu lassen. Die Landesregierung habe den Verein dann aber "gezwungen", die Sammelstelle vorzufinanzieren. Lediglich an den laufenden Kosten beteilige sich der Senat mit einem geringen Satz.

Keinen Erfolg hatte der Tierschutzverein auch Anfang dieses Jahres mit dem Antrag, den Bau eines zusätzlichen Hundehauses für so genannte Kampfhunde mit 3,162 Millionen Mark aus dem Lottotopf zu fördern. Etwa 150 dieser Hunde muss das Tierheim nach Wenks Angaben derzeit versorgen. Ein Stiftungsmitarbeiter habe lediglich erklärt, der Tierschutzverein erfülle nicht die Stiftungskriterien.

Wenk sieht jedoch nicht ein, wieso der Tierschutzverein nicht sozial oder karitativ sein soll. Er sei seit 1872 als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt. Finanziert worden sei die Arbeit in den vergangenen 128 Jahren immer aus Spenden der Mitglieder. In Anspielung auf die vom Lotto-Stiftungsrat seit Jahren gewährten Millionenzahlungen an den Zoo meint Wenk: "Wenn schon die bloße Zurschaustellung von Tieren regelmäßig unterstützenswert ist, müsste es die Rettung von herrenlosen Tieren wenigstens ein Mal auch sein."

Danach habe man Sozialsenatorin Gabriele Schöttler (SPD) um Rat gefragt, wie man einen Antrag an den Stiftungsrat erfolgversprechend formulieren müsse. Vielleicht sei man ja selbst zu dumm dazu, so Wenk. Eine Antwort habe man aber auch von der Senatorin bis heute nicht erhalten.

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