Berlin : Umstrittenenes Bauprojekt: Der Erfinder der Infobox investiert auf dem Teufelsberg

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Ein halbes Dutzend Mal wurde der Beginn des umstrittenen Bauprojekts auf dem Teufelsberg schon angekündigt, doch außer einigen Abrissen geschah jahrelang nichts. Nun spricht manches dafür, dass die neueste Ankündigung der Investorengruppe um den Kölner Architekten Hartmut Gruhl ernst zu nehmen ist. Von April an sollen auf dem Trümmerberg im Grunewald die Bagger für einen ersten Bauabschnitt mit Luxuswohnungen rollen. Diesen Termin nannte der für die Grundstückseigner tätige PR-Unternehmer Dirk Nishen auf Nachfrage.

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Ein Indiz für den Baustart ist, dass Nishen selbst Geld investiert. Der als Erfinder der "Infobox" am Potsdamer Platz bekannte PR-Profi hat für seine Firma Nishen Kommunikation einen Teil der ehemaligen Abhörstation der Alliierten gekauft. Er plant ein "Kommunikationsstudio" im alten Kantinenhaus und in einem der vier Antennentürme. Dieser liegt einzeln nahe dem Eingang und heißt jetzt "Arctic Tower". Nishen findet, die ruhige Lage im Grünen eigne sich hervorragend für Gespräche mit Gästen. Der Hauptsitz der Agentur bleibe aber an der Bülowstraße. An andere Interessenten verkauft wurden laut Nishen bisher sechs der etwa 100 geplanten Luxus-Wohnungen und Lofts. Offen ist immer noch, wer das geplante Fünf-Sterne-Hotel betreibt. Nishen betonte, dies werde den Baubeginn nicht mehr verzögern. Er spricht von "mindestens drei Interessenten", zu denen eine internationale Hotelkette gehöre. Frühere Verhandlungen mit der Raffles-Gruppe aus Singapur und dem Kölner Hotelunternehmer Thomas Althoff waren gescheitert.

Zum Teufelsberg-Projekt gehören zudem ein Wellness-Zentrum, ein Ausflugslokal, ein Museum sowie eine Klinik, die eventuell als Schönheitsinstitut genutzt wird. Die Baugenehmigung des Senats stammt vom September 1998 und läuft im kommenden September aus - ein Grund für die Investoren, die Arbeiten nicht länger aufzuschieben.

Umweltschutzverbände und eine Bürgerinitiative aus Anwohnern fordern eine Begrünung. Der aus Kriegstrümmern aufgeschüttete Berg liege im Naturschutzgebiet Grunewald. Bemängelt wird außerdem der "Dumpingpreis" von 5,2 Millionen Mark, zu dem das Fünf-Hektar-Gelände 1996 verkauft wurde. Beim Verwaltungsgericht ist eine Klage der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald gegen das Projekt anhängig.

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