Umstrittener Zoochef : Blaszkiewitz bleibt

Der Aufsichtsrat von Zoo und Tierpark tagte am Mittwoch stundenlang. Aber nicht wie erwartet über Chef Bernhard Blaszkiewitz - zur Überraschung vieler Mitarbeiter, Politiker und Zoobesucher.

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Bleibt gelassen. Berlins Zoochef Bernhard Blaszkiewitz.
Bleibt gelassen. Berlins Zoochef Bernhard Blaszkiewitz.Foto: dpa

Am Mittwochmittag wirkte Berlins Zoo- und Tierparkchef Bernhard Blaszkiewitz ganz gelassen. „Ich gehe gerade in die Aufsichtsratssitzung“, sagte er dem Tagesspiegel. „Ich weiß nicht, wie lange es dauert.“ Es dauerte fast acht Stunden, dann stand fest: Blaszkiewitz wird vorerst im Amt bleiben – trotz aller Kritik.

Dabei hatten viele Mitarbeiter, Politiker und Zoobesucher fest damit gerechnet, dass an diesem Tag im Aufsichtsrat der Gemeinnützigen Aktiengesellschaft Zoologischer Garten, der auch für den Tierpark zuständig ist, über die Zukunft von Blaszkiewitz verhandelt werden würde. Nach Tagesspiegel-Informationen hatte von 11 Uhr bis 12 Uhr das Präsidium getagt, danach sollte der Aufsichtsrat eigentlich den Bericht einer Anwaltskanzlei hören. Die hat in den vergangenen zwei Monaten mit vielen Mitarbeitern des Zoos und des Tierparks Gespräche geführt. Vor der Aufsichtsratssitzung waren Anfragen zur Tagesordnung nicht beantwortet worden, nach der Sitzung hieß es dann, der Bericht der Kanzlei sei nie geplant gewesen und habe auch nicht stattgefunden.

Den Beschluss, die Anwaltskanzlei einzuschalten, hatte der Aufsichtsrat am am 21. Januar dieses Jahres gefasst. Damals war er auf Initiative von Aufsichtsratschef Frank Bruckmann zu einer Krisensitzung zusammengekommen, weil Zoochef Blaszkiewitz wieder einmal massiv in die öffentliche Kritik geraten war. So hatte er – wie auf einer Versammlung Anfang des Jahres bekannt wurde – Namen von Mitarbeiterinnen in internen Papieren mit einer 0,1 versehen, was in der Tierzucht für „Weibchen“ steht. Außerdem soll der streng gläubige Katholik gesagt haben, dass „unchristlichen" Mitarbeitern kein Weihnachtsgeld zustehe.

Blaszkiewitz hatte sich kurz darauf bei seinen Mitarbeitern entschuldigt und versprochen, nie wieder eine „tiergärtnerische Bezeichnung“ für Menschen zu verwenden. Aber wenige Wochen später soll er Frauensenatorin Dilek Kolat (SPD) bei einer Veranstaltung des Zoos beleidigt haben. Angeblich hatte der Zoochef Frau Kolat als „Senatorin für Frauen und Karneval“ bezeichnet. Blaszkiewitz bestritt die Äußerung und bezeichnete sie auf Nachfrage als Lüge und Teil einer Kampagne gegen ihn. Auch einige Veranstaltungsteilnehmer berichteten, dass sie die Äußerung nicht gehört hätten.

Der umstrittene Zoochef, der unter anderem wegen des Todes von Eisbär Knut und weiterer Tiere, Inzucht-Vorwürfen und angeblichen Tierhandels in die Kritik geriet, hat noch bis Mitte nächsten Jahres einen Vertrag mit dem Zoo. Nach Meinung seiner Kritiker kommt daher nur eine sofortige Entlassung durch den Aufsichtsrat infrage. Diese müsste dann aber juristisch wasserdicht sein, weshalb wohl auch die Anwaltskanzlei mit der Befragung von Mitarbeitern beauftragt wurde. Die Spannung in der Belegschaft von Zoo und Tierpark war am Mittwochnachmittag jedenfalls sehr groß. Aber auch die Haushälter im Abgeordnetenhaus warteten auf eine Entscheidung.

Denn das zweite große Thema der gestrigen Aufsichtsratssitzung sollte das dringend notwendige Modernisierungskonzept für den Berliner Tierpark sein. Das 160 Hektar große Gelände in Friedrichsfelde hat im Vergleich zum Zoologischen Garten zu wenige Besucher. Viele Anlagen sind sanierungsbedürftig, es mangelt auch am Geld. Aber die Geschäftsführung von Zoo und Tierpark unter Leitung von Blaszkiewitz hat bisher angeblich keinen erfolgversprechenden Sanierungsplan vorgelegt. Daher hatte der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses am vergangenen Mittwoch das Thema vertagt. Man wolle erst einmal abwarten, was der Aufsichtsrat in Sachen Zoochef beschließe, hieß es.

Nichts, wie man inzwischen weiß. Dafür habe man neben den Jahresabschlüssen und der Diskussion des künftigen Marketingkonzepts „einen ersten Meilenstein in Sachen Sanierungsplan für den Tierpark vorgestellt“, sagte Gabriele Thöne (kaufmännischer Vorstand) gestern Abend dem Tagesspiegel: „Das wird die Umgestaltung des Haupteingangs Bärenschaufenster zu einem zentralen Service-Zentrum sein. Das Konzept wurde vom Aufsichtsrat beschlossen und liegt inzwischen auch dem Land vor.“ Das muss nun wohl reagieren – weiterhin mit Zoochef Blaszkiewitz. Sandra Dassler

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