Berlin : Umstrittenes Denkmal in Köpenick wird ergänzt - Gremium berät über Umgestaltung

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Die umstrittene steinerne Faust, die sich seit 31 Jahren am Platz des 23. April in den Himmel reckt, bleibt erhalten. Darauf haben sich die Mitglieder einer von der Bezirksverordnetenversammlung eingesetzten Kommission geeinigt. Allerdings wird das Denkmal, das von Walter Sutkowski stammt und an die Opfer der Köpenicker Blutwoche erinnert, ergänzt. Bisher gibt es drei Ideen für die Fläche an der Bahnhofstraße, wie Kulturstadtrat Dirk Retzlaff (PDS) und der Leiter des Heimatmuseums, Claus-Dieter Sprink, erläuterten.

Der erste Vorschlag geht von einer geschwungenen, bis zu 4,50 Meter hohen und rund fünf Meter breiten Spiegelwand aus, die direkt vor der Faust plaziert wird. "Sie soll teilweise durchsichtig sein und mit Fotos zu Themen Gewalt und Krieg gestaltet sein", erklärt Retzlaff. Außerdem wird bei dieser Variante auf der Spiegelwand die Vorgängerin des heutigen Denkmals erscheinen, eine vier Meter hohe Stele. Die zweite Idee unterscheidet sich nur in der deutlich kleineren Spiegelwand von der ersten. Aus Sicht von Retzlaff hätte das aber den Nachteil, dass weniger Fotos dargestellt werden könnten und auch die Stele nicht in ihren Originalmaßen zu sehen sein würde.

Der dritte Vorschlag sieht eine Erweiterung der bestehenden Frieswand hinter der Faust vor. An mehrere Texttafeln ist gedacht, die an Holocaust- und Kriegsopfer sowie stalinistisch Verfolgte erinnern. Dagegen spricht sich die Vorsitzende des Kulturausschusses der BVV aus. "Man sollte nicht jede Opfergruppe einzeln hervorheben, sondern eine globale Aussage gegen Gewalt und gegen Krieg treffen", betont Renate Harant (SPD), die an der Sitzung der Kommission teilnahm. Sie hält die große Spiegelwand für eine gelungene Lösung, weil dadurch der bedrohlich wirkenden Faust etwas gegenübergestellt wird. "Wir wollen einen Denkort schaffen, der sich mit dem Umgang des vorhandenen Kunstwerkes in den vergangenen Jahrzehnten auseinandersetzt und alle Opfer politischer Gewalt in Köpenick ehrt", betont Claus-Dieter Sprink.

Darüber haben sich, wie berichtet, in den vergangenen zwei Jahren Parteien und Verbände gestritten. Die Faust wurde als dominantes und kommunistisches Symbol empfunden und als einseitige Erinnerung kritisiert. Kritiker wiesen darauf hin, dass unter den Hunderten Opfern der Blutwoche im Jahr 1933, einer Aktion der SA, nicht nur Kommunisten waren, sondern sondern auch Christen und Sozialdemokraten.

Allerdings ist noch offen, wie teuer die Spiegelwand wird und welche Materialien verwendet werden. In den nächsten sechs Wochen soll die Kommission zunächst die Entscheidung über die beste Variante fällen. Dann werden Bezirksverordnete und Stadträte beraten. Später soll es einen Wettbewerb geben. Retzlaff geht davon aus, dass sich das Projekt frühestes 2001 verwirklichen lässt.

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