Umstrittenes Museum am Alexanderplatz in Berlin : Körperwelten darf eröffnen

Das Körperwelten-Museum im Sockel des Fernsehturms darf eröffnen - das entschied das Verwaltungsgericht in einem Eilverfahren. Die Plastinate von Leichen seien nicht vom Bestattungsgesetz erfasst.

Eine plastinierte Leiche - Ausstellungsstücke wie dieses können wohl bald im Museum am Fuß des Fernsehturms gezeigt werden.
Eine plastinierte Leiche - Ausstellungsstücke wie dieses können wohl bald im Museum am Fuß des Fernsehturms gezeigt werden.Foto: Sven Hoppe/dpa

Plastinierte menschliche Körper und Körperteile dürfen ausgestellt werden - das hat das Verwaltungsgericht Berlin in einem Eilverfahren am Dienstag entschieden. So kann das "Körperwelten"-Museum wohl wie geplant in den Sockelbauten des Fernsehturms am Alexanderplatz am 18. Februar eröffnen.

Das Gericht bestätigte damit eine Entscheidung von Dezember, wonach die Ausstellung nicht gegen das Bestattungsgesetz der Hauptstadt verstößt. Das Bezirksamt des Berliner Stadtteils Mitte hatte gegen die Entscheidung vom Dezember Berufung eingelegt. Durch Androhung eines Zwangsgelds in Höhe von 10.000 Euro pro Ausstellungstag sollte die für den 18. Februar geplante Eröffnung verhindert werden. Das Verwaltungsgericht gab nun einem dagegen gestellten Eilantrag der Museumsgesellschaft statt, womit die Dauerausstellung am Alexanderplatz vorerst stattfinden darf. Gegen den Beschluss kann noch vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg Beschwerde eingelegt werden.

Die Anatomie-Ausstellung "Körperwelten"
Es ist ein lang gehegter Traum von ihm: Der Leichen-Präparator Gunther von Hagens plant ein "Körperwelten"-Museum in Berlin. Dies teilte er im Februar 2014 mit. Schnell begann ein Rechtsstreit: Der Bezirk Mitte nämlich will verhindern, dass plastinierte Leichen öffentlich zur Schau gestellt werden.Weitere Bilder anzeigen
1 von 14Foto: dpa
19.12.2014 10:30Es ist ein lang gehegter Traum von ihm: Der Leichen-Präparator Gunther von Hagens plant ein "Körperwelten"-Museum in Berlin. Dies...

Nach Auffassung des Verwaltungsgerichts konnte das Bezirksamt die Argumentation des vorangegangenen Urteils nicht entkräften. Demnach sind die bei "Körperwelten" gezeigten Plastinate von Leichen bewusst nicht vom Bestattungsgesetz erfasst, welches auf eine schnelle Bestattung Verstorbener abzielt. Zwar handele es sich bei den Plastinaten weiterhin um Leichen, diese seien jedoch als anatomische Dauerpräparate für eine Bestattung "weder zugänglich noch hierfür vorgesehen". Die Ausstellung unterliege somit lediglich dem allgemeinen Ordnungsrecht.

Im Sockel des Fernsehturms soll das Museum eröffnen - der Schriftzug hängt schon seit vergangener Woche.
Im Sockel des Fernsehturms soll das Museum eröffnen - der Schriftzug hängt schon seit vergangener Woche.Foto: Paul Zinken/dpa

Die 1995 vom Wissenschaftler und Unternehmer Gunther von Hagens begründete Wanderausstellung "Körperwelten" gastierte bisher in 19 deutschen Städten, darunter auch schon dreimal in Berlin. Immer wieder kam es zu Kontroversen darüber, ob die Darstellung der Toten ethisch vertretbar ist. Sie werden in einem von dem Wissenschaftler entwickelten Verfahren der Plastination konserviert.

» Mehr lesen? Jetzt gratis Tagesspiegel testen!

17 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben