Umstrittenes Sozialunternehmen : Neuer Chef kämpft um Existenz der Treberhilfe

Die Treberhilfe verliert weiter Mitarbeiter und Klienten. Die Wohnprojekte Mitte und Hellersdorf werden zur „Neuen Chance“ wechseln. Der neue Geschäftsführer will mit dem Betriebsrat kooperieren.

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Der Geschäftsführer der Neuen Chance, Rainer Krebs, bestätigte dem Tagesspiegel, dass die Wohnprojekte Mitte und Hellersdorf zu seinem Unternehmen wechseln werden. In den Wohnprojekten der Treberhilfe betreuen rund 15 Mitarbeiter mehr als 100 Hilfsbedürftige, darunter alleinerziehende Frauen und psychisch auffällige Jugendliche. Ein ähnliches Projekt in Neukölln mit 60 Klienten hat die Treberhilfe bereits verlassen.

„Uns liegen etwa 100 Bewerbungen von Treberhilfe-Mitarbeitern vor“, sagte Krebs. Etwa 30 Arbeitsverträge seien bereits unterschrieben. Der von Maserati-Fan Harald Ehlert gegründete Verein hatte zuletzt noch rund 260 Mitarbeiter. Weitere Teams von Treberhilfe-Projekten möchten kollektiv wechseln, berichten Ex-Mitarbeiter.

Der neue Geschäftsführer der Treberhilfe, Frank Biskup, sagte auf Anfrage: „Jeder Mitarbeiter, der uns verlässt, ist ein Verlust“. Doch das gehöre zum Tagesgeschäft jedes Unternehmens dazu. Biskup ist erst seit dem Wochenende im Amt, nachdem Volker Härtig, der dritte Nachfolger von Treberhilfe-Gründer Harald Ehlert, nach nur einem Monat überraschend beurlaubt wurde. Ähnlich war es zuvor Treberhilfe-Geschäftsführer Jens Fischer ergangen. Zwischen Härtig und Treberhilfe-Gesellschafter Ehlert soll es zum Streit gekommen sein. Auf die Frage, ob und inwieweit Ehlert weiterhin die Strippen zieht bei der Treberhilfe, sagte Biskup: „Davon habe ich bisher noch nichts gemerkt“. Durchgehalten hat einzig Dietrich Fenner, der unmittelbar nach Ehlerts Rückzug als Geschäftsführer antrat.

Die „Neue Chance“ wurde vom Diakonischen Werk gegründet, um Mitarbeitern und Klienten der krisengeschüttelten Treberhilfe eine neue Heimat zu bieten. „Wir sind kein Konkurrenzunternehmen“, sagt Krebs. Es könne auch zu einer Konsolidierung der Treberhilfe kommen. „Wir halten uns alle Optionen offen.“

Senat und Diakonie haben den Mitarbeitern mehrfach zugesichert, dass im Falle einer Insolvenz der Treberhilfe eine Auffanggesellschaft gegründet werde. Der ehemalige Geschäftsführer Jens Fischer hatte offen von einer drohenden Zahlungsunfähigkeit gesprochen. Unter Mitarbeitern kursieren Gerüchte, die Hausbank habe der Treberhilfe den Geldhahn zugedreht. Dem widersprach Biskup, der zuvor im Aufsichtsrat der Treberhilfe saß.

Einen Kurswechsel vollzieht Biskup offenbar im Umgang mit dem Betriebsrat. Während die bisherigen Verantwortlichen sogar die Gründung einer Personalvertretung gerichtlich verhindern wollten, sagte Biskup: „Wir suchen den Schulterschluss mit dem Betriebsrat.“ Er sei selbst einmal als Personalvertreter tätig gewesen und nennt den Dialog „befruchtend für ein Unternehmen“. Die vor wenigen Tagen gewählte Betriebsratsvorsitzende Karin Brunner sagte, sobald die internen Angelegenheiten geregelt seien, wolle man einen „Wirtschaftsausschuss“ gründen und Einblick in die Geschäftszahlen nehmen.

Die Treberhilfe wird zurzeit von einer Kommission von Senat und Wohlfahrtsverbänden durchleuchtet. „Ein Zwischenergebnis gibt es noch nicht“, sagte Anja Wollny, Sprecherin der Sozialverwaltung. Gegen Harald Ehlert ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Untreue. Die Finanzverwaltung prüft parallel die Gemeinnützigkeit der Treberhilfe. Dazu sagte Geschäftsführer Biskup, dass es bisher noch keinen „Zwischenbescheid“ gebe.

Als Konsequenz aus der Affäre um luxuriöse Dienstwagen und Ehlerts hohe Geschäftsführerbezüge will der Senat am Freitag einen Gesetzentwurf in den Bundesrat einbringen. Danach sollen sich die Pauschalen für soziale Dienstleistungen stärker an den realen Kosten orientieren. Ungerechtfertigt erzielte Gewinne soll der Staat zurückverlangen können.

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