• Umstrittenes Vergabeverfahren in Berlin: Filetgrundstücke an Jette Joop und Graft verkauft

Umstrittenes Vergabeverfahren in Berlin : Filetgrundstücke an Jette Joop und Graft verkauft

Die Filets sind weg: Berlin hat zwei Topgrundstücke in Mitte an die Modedesignerin Jette Joop und das Architektenbüro Graft vergeben. Der Bezirk wollte lieber ein Wohnviertel bauen. Der Senat schweigt zu den Details.

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Zwei der letzten unbebauten Filetgrundstücke in Berlin-Mitte wurden an die Modedesignerin Jette Joop und das Architektenbüro Graft verkauft.
Zwei der letzten unbebauten Filetgrundstücke in Berlin-Mitte wurden an die Modedesignerin Jette Joop und das Architektenbüro Graft...Foto: dpa

Das undurchsichtige und umstrittene Vergabeverfahren um zwei der letzten unbebauten Filetgrundstücke in Berlins Innenstadt steht offenbar kurz vor dem Abschluss. Dem Vernehmen nach hat der vom Senat kontrollierte Steuerungsausschuss des Liegenschaftsfonds, der für das Land Berlin Grundstücke verkauft, kürzlich dem Vorhaben zugestimmt, die Grundstücke in der Ackerstraße, Ecke Invalidenstraße an die Firma der Designerin Jette Joop sowie das international tätige Architekturbüro Graft zu vergeben. Bezüglich der Vergabe an Jette Joop wurde dies am Mittwoch von der in dem Steuerungsausschuss federführenden Finanzverwaltung bestätigt, bezüglich des Architekturbüros Graft nicht. Aus anderen Quellen hieß es aber, diese Vergabe sei zuvor ebenfalls beschlossen worden.

Der Bezirk Mitte hingegen hätte dort lieber ein Wohnviertel gesehen. Seine Bedenken bezüglich des dem Land gehörenden Grundstücks seien aber nicht berücksichtigt worden, sagte Ulrich Davids, Jugendstadtrat von Mitte und derzeit urlaubsbedingt Stellvertreter des zuständigen Baustadtrats Carsten Spallek.

Die Direktvergabe an die in Hamburg und Berlin ansässige Jette GmbH ist dem Vernehmen nach an die Zusicherung geknüpft, dass Jette Joop ihren Firmensitz ganz nach Berlin verlegt. Entsprechende Informationen der „Berliner Woche“ wollte aber keiner der Beteiligten bestätigen. Sowohl die Sprecher von Joop und Graft wie auch alle beteiligten Senatsverwaltungen lehnten am Mittwoch einen Kommentar zu den Details des Geschäfts unter Verweis auf die Vertraulichkeit des Vorgangs ab. Wieso bei einem derart prominenten Grundstück, über dessen künftige Nutzung lange öffentlich diskutiert worden war, die Öffentlichkeit nicht über die Inhalte der Einigung informiert wird, mochte keiner der Beteiligten erklären.

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Das Architekturbüro Graft, dessen drei Architekten mit 80 Angestellten Bauvorhaben in 16 Ländern abwickeln, hatte zuvor wiederholt dafür geworben, ihm diesen Standort zur Ansiedlung zu überlassen. „Das Projekt wäre gut für diesen Ort und gut für Berlin“, hatte man verkündet. Zu der jetzt gefundenen Einigung wollte man aber keine Stellung nehmen. In der „Berliner Woche“ wird eine Graft-Sprecherin mit den Worten zitiert, man habe „noch nicht entschieden“, ob man selbst in den dort geplanten Neubau ziehe. Ursprünglich hatte sich Graft mit dem Konzept eines „Wohn- und Design-Pools“ beworben. Dieser soll ein halbes Dutzend Spitzenbüros und Einrichtungen in Mitte ansiedeln: die Rheinisch Westfälische Technische Hochschule, das namhafte Ingenieurbüro Happold, das Stadtplanungsbüro „Chora“ mit Sitz in London und Amsterdam sowie Galerien und ein Start- up-Unternehmen, das mit Solarstrom betriebene Kioske für schlecht versorgte Gebiete in Afrika herstellt. Und auf der Hälfte der geplanten Nutzfläche von 3000 Quadratmetern sollen Wohnungen entstehen. Das Konzept bezog sich allerdings auf eine größere Fläche und dürfte daher nur zum Teil umgesetzt werden.

Auch bezüglich des geplanten Umzugs von Jette Joops Firma gibt es viele offene Fragen. So ist bislang völlig im Dunkeln, wie das Konzept von Joop für das Areal aussieht und mit wie vielen Mitarbeitern man nach Berlin ziehen wolle. Die „Berliner Woche“ berichtet, dass Insider vermuten, Joop werde das Areal nur formal als Firmensitz nutzen. Das wird damit begründet, dass der Bebauungsplan für das Grundstück ab dem zweiten Obergeschoss Wohnungen vorschreibt und zwei Etagen für den Firmensitz des Unternehmens kaum ausreichen dürften. Auch dies wollte seitens des Unternehmens gestern niemand kommentieren.

Schweigen allerorten auch bei der Frage nach dem Preis für den Deal. Der dürfte geringer gewesen sein als im Fall einer offiziellen Ausschreibung, da bei Direktvergaben der Verkehrswert angesetzt wird. Direktvergaben dienen dem Ziel, Grundstücke im wirtschaftlichen Interesse Berlins zu vergeben. Im Gegenzug erhofft sich das Land neue Arbeitsplätze und Investitionen.

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