Umstritttene Ausstellung : Neuköllner Kulturwerkstatt bekräftigt Kritik

Die umstrittene Ausstellung "Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg" ist am Donnerstag in Neukölln eröffnet worden – mit einer Distanzierung und verschärften Kritik von der Leitung der Werkstatt der Kulturen.

Ferda Ataman
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Piening

Die umstrittene Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ ist am Donnerstag eröffnet worden – mit einer Distanzierung und verschärften Kritik von der Leitung der Werkstatt der Kulturen. Nicht allein die drei Schrifttafeln über arabische Nazi-Helfer lehne man ab, sondern alle 18 Texttafeln zu Kollaborateuren aus der Dritten Welt. Das habe die Leiterin der Werkstatt, Philippa Ebéné, bereits im Mai den Ausstellungsmachern mitgeteilt. Dies sei aber in der aktuellen Berichterstattung unterschlagen worden.

„Es überfordert die Besucher, wenn die Opfer im Nahen Osten, in Afrika und Asien in einem Atemzug mit Kollaborateuren und japanischen Aggressoren genannt werden“, erklärte Ebéné. Es sei schließlich auch in der wissenschaftlichen Aufarbeitung der europäischen Geschichte nicht üblich, Opfer neben Täter zu stellen. „Denkbar wäre, das Thema Kollaboration gesondert in einer Ausstellung im kommenden Jahr zu erarbeiten“, so die Leiterin des Kulturhauses.

Doch zu solchen Überlegungen kam es nicht. Nach ihrer Erklärung, vom Hausrecht Gebrauch zu machen, wenn das Thema Kollaboration in der Sammlung bleibe, erntete die Werkstatt-Leiterin harsche Kritik. Der Integrationsbeauftragte des Senats, Günter Piening, schaltete sich ein und vermittelte den Kompromiss, dass zumindest eine verkleinerte Ausstellung in der Neuköllner Werkstatt der Kulturen gezeigt werde. Der Vorstand akzeptierte das am Wochenende – ohne von seiner inhaltlichen Kritik abzurücken. Die Werkstatt plant, mit drei Veranstaltungen ihre eigene Position zu thematisieren. Ebéné selbst wollte beim Vermittlungsgespräch nicht zugegen sein. „Ich bin die Einzige, die biografische Bezüge zu dem Thema Kolonialisierung hat“, erklärte die Afrodeutsche am Donnerstag. Ihr Name sollte nicht im Zusammenhang mit dem Kompromiss stehen.

Nachdem anfänglich die Kritik an Ebéné überwog, bekommt sie jetzt immer mehr Zuspruch für ihre Kritik an der Ausstellung: Der Verein „Der braune Mob“, der sich regelmäßig zur Darstellung „Schwarzer Menschen“ in der deutschen Öffentlichkeit äußert, moniert in einer Erklärung „mangelndes kulturelles Verständnis des Senats“, weil die „berechtigten inhaltlichen Einwände“ übergangen worden seien. Das Zusammenbringen von Widerstandshelden und Nazi-Opfern mit Kollaborateuren gründe augenscheinlich in der Annahme, „dass nichtweiße Menschen lediglich einer einzigen und nicht weiter zu unterscheidenden Gruppe zuzuordnen sind“.

Die „Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland“ kritisiert, dass im Titel der Ausstellung von „Dritter Welt“ die Rede ist, worunter „People of Colour“ aus den USA, Australien, Neuseeland, Afrika, Europa, Südamerika und Asien subsumiert werden. Der Begriff stehe in einer „rassentheoretischen Tradition“ und zeige die problematische Sichtweise des Ausstellungskurators. Eine „Hommage an schwarze Veteranen des Zweiten Weltkriegs“ sei dagegen von erheblicher Bedeutung für viele Menschen. Philippa Ebéné habe hier lediglich die gleichen Standards eingefordert, die bei bisherigen Würdigungen des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus üblich seien.

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