Berlin : Umweltfrevel ?: Kahlschlag für den Denkmalschutz

Michael Brunner

Plötzlich waren die Männer mit ihren Sägen, Äxten und Spaten da. Sie fällten acht Bäume und rodeten eine Lkw-Ladung Sträucher. Als sie fertig waren, hatte sich die Hälfte des etwa fußballplatzgroßen Innenhofs der Wohnanlage Kuglerstraße 69 - 71, Gudvanger Straße 31 - 57, Wisbyer Straße 24 - 25 und Varnhagenstraße 18 - 44 aus einem "grünen Meer" in ein ziemlich langweiliges Stück Rasen mit ein paar Bäumen verwandelt. "Ich finde es entsetzlich, was da passiert ist", sagt Brit Zelinski, die seit zwei Jahren eine schöne Wohnung in der Gudvanger Straße bewohnt. Auch Brits Freund, der angehende Bauingenieur Florian Erler, und zahlreiche weitere Bewohner sind empört. Doch das änderte überhaupt nichts. "Im Namen des Denkmalschutzes wird die Wohnanlage komplett in den Zustand der Bauzeit zurückversetzt, mit allen Nachteilen für die Mieter, die dieser Kahlschlag mit sich bringt", sagt Florian Erler.

Zur Vorgeschichte: Die gegen Ende der 20er Jahre errichtete Wohnanlage steht unter Denkmalschutz. In den Jahren 1998 und 1999 war das gesamte Karree saniert worden. Im Herbst 1999 schickte die Hausverwaltung, die Contest Finanzdienstleistungen GmbH, eine Firma, die im Innenhof mit dem Bau von Pergolen begann. Einige Bewohner beschwerten sich darauf im Rathaus an der Fröbelstraße. Im Rathaus begannen die Räder zu mahlen, bald verhängte die Untere Denkmalschutzbehörde des Bezirks Prenzlauer Berg einen Baustopp. Wie aus einem Schreiben von Mitte Mai 2000 an Florian Erler hervorgeht, lag das jedoch nicht an den Beschwerden der Bewohner. "Da die Firma Contest genehmigungspflichtige Arbeiten ohne Genehmigung ausgeführt hatte, wurde bis zur Klärung ein Baustopp ausgesprochen", hieß es in dem Schreiben. Grundlage für die Instandsetzung von denkmalgeschützten Außenanlagen sei eine historische Recherche zur ursprünglichen Gestaltung der Gartenanlagen. Ziel müsse möglichst die originalgetreue Wiederherstellung nach dem Vorbild der Bauzeit sein. Immerhin: Die Wandelgänge wurden wieder abgebaut.

Doch von der Hausverwaltung trafen schlechte Nachrichten ein. "Die Bepflanzungen in den Vorgärten der Varnhagenstraße 18 - 44 sowie Wisbyer Straße 24, 24 A und 25 müssen im wesentlichen entfernt und durch eine einheitliche Heckenbepflanzung mit Rasenflächen ersetzt werden", schrieb die Contest Anfang Juli. "Im Innenhof wird ein Spielplatz errichtet", hieß es weiter. Noch immer stehen in einem Teil des Hofs eine ganze Reihe gut gewachsener Birken, Pappeln Ahornbäume, dazu eine Menge dichter Sträucher.

Bald wird auch der Rest des Innenhofes wieder so aussehen wie vor 70 Jahren. Das Gesetz will es so, und die Denkmalschützer halten sich "im Interesse der Allgemeinheit" daran. Florian Erler ist anderer Ansicht. "Es kann bezweifelt werden, dass das Entfernen von Blumen und Sträuchern zugunsten von Rasenflächen im Interesse der Allgemeinheit liegt", sagt er.

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