Umweltzone : Schokokäfer für Autofahrer mit Plakette

Die deutsche Umwelthilfe verteilt am Potsdamer Platz symbolische Strafzettel. Wer keine Plakette hat, bekommt ein Knöllchen. Doch die meisten haben den Passierschein für die Umweltzone schon an der Windschutzscheibe.

Christiane Jacke[ddp]
Umweltzone
Umweltzone: Knöllchen für Fahrer ohne Plakette. -Foto: ddp

BerlinDer Autofahrer ist gereizt. "Das Knöllchen können Sie gleich behalten", giftet er aus seinem Wagen und wehrt den Zettel von Maria Elander mit der Hand ab. Die Mitarbeiterin der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und ihre Kollegen machen an diesem Morgen eine symbolische Kontrolle auf Feinstaubplaketten am Potsdamer Platz in der Berliner Innenstadt. Wer kurz nach Einführung der Umweltzone noch keinen Aufkleber hat, bekommt einen symbolischen Strafzettel. "Sie haben keine Plakette, kennen Sie die neue Regelung noch nicht?", hakt Elander nach. "Doch", entgegnet der Autofahrer genervt, "aber die Regelung bringt sowieso nichts. Außerdem verschandelt mir die Plakette mein Auto."

Strafen gebe es ohnehin noch nicht, tönt der Mann auf dem Fahrersitz weiter. "Das stimmt, aber ab Februar gibt es welche", entgegnet Elander hartnäckig. Im ersten Monat der Umweltzone hat der Senat eine Schonfrist gewährt. Erst ab Februar müssen Autofahrer ohne Plakette oder Ausnahmegenehmigung mit einem Bußgeld von 40 Euro und einem Punkt in der Verkehrssünderkartei in Flensburg rechnen. "Na, da werde ich mir dann wohl eine Plakette aufkleben müssen", sagt der Fahrer wütend und rast mit seinem Wagen davon. Für längere Diskussionen reicht die rote Ampelphase nicht aus.

Fingierte Knöllchen für Nachlässige

Über die schroffe Antwort ärgert sich Maria Elander nicht. "Das ist der Erste, der so reagiert", sagt sie. Gemeinsam mit vier Kollegen kontrolliert sie stichprobenartig die Umsetzung der Plakettenpflicht für die Umweltzone. Die Kollegen führen Strichlisten über vorbeifahrende Pkw, Busse und Lastwagen - mit roter, gelber, grüner oder ohne Plakette. Sobald die Ampeln auf Rot springen, geht Elander auf die wartenden Fahrer zu. Diejenigen, die eine grüne Plakette an der Frontscheibe kleben haben, werden mit einem Dankeschön-Schreiben und einem Schokoladen-Glückskäfer belohnt. Fahrer mit Wagen ohne Plakette bekommen dagegen das fingierte Knöllchen in die Hand gedrückt.

Nur wenige Fahrzeuge sind an diesem Tag ohne den Aufkleber unterwegs: Rund 15 Prozent der knapp 2500 Wagen, die innerhalb von zwei Stunden vorbeikommen, fehlt die Plakette. Bei der ersten Stichproben-Kontrolle der DUH in der vergangenen Woche zur gleichen Zeit am selben Ort waren es noch 25 Prozent. "Das beweist, dass die Botschaft angekommen ist", sagt Gerd Rosenkranz, Sprecher der Organisation. "Aber dass es so schnell geht, hat mich überrascht." Während der Schonfrist sei allerdings nicht mit einer vollständigen Ausstattung mit Plaketten zu rechnen. "Richtig ernst genommen wird das Ganze erst, wenn es Strafen gibt", sagt Rosenkranz.

Einfallsreiche Ausreden bei Versäumnis

Nicht nur die Schonfrist scheint ein Hinderungsgrund zu sein, sich eine Plakette anzubringen. Als Maria Elander auf einen vermeintlich unbeklebten Wagen zusteuert, zieht der Fahrer strahlend eine gelbe Plakette hinter der Sonnenblende hervor. "Die habe ich nur noch nicht aufgeklebt", sagt der Mann. "Die Scheiben waren zu dreckig, das hält dann doch nicht."

Fast 70 Prozent der vorbeikommenden Fahrzeuge haben einen grünen Aufkleber an der Windschutzscheibe. "Die Regelung ist absolut richtig", sagt ein Fahrer, der für seine Plakette gerade einen Schokoladenkäfer kassiert. "Ich wohne selbst mitten in der Stadt", berichtet er. Die Umweltzone sei besser für alle.

Wer ohne den nötigen Aufkleber angesprochen wird, ist dagegen erfinderisch. Das Auto sei nur geliehen, die Kfz-Werkstatt habe keine Plaketten mehr gehabt, die Fahrt in die Innenstadt sei nicht geplant gewesen, heißt es. Ein Fahrer hat eine besonders interessante Geschichte parat. "Ich bin Polizist und auf dem Weg zur Arbeit", sagt er, als Elander mit dem Knöllchen winkt. Die Plaketten lägen schon im Büro und dürften aus dienstrechtlichen Gründen noch nicht angebracht werden. Dann kommt für ihn die Erlösung: Die Ampel schaltet auf Grün, und er verschwindet in einer Seitenstraße.

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