Umzug angegeben : Vernachlässigung: Mutter hatte Amt getäuscht

Das 16 Monate alte Mädchen, das die Feuerwehr vergangenen Freitag aus einer völlig verwahrlosten Wohnung in Charlottenburg gerettet hat, beschäftigt die Behörden. Derzeit wird vom zuständigen Kinder- und Jugendgesundheitsdienst und Jugendamt geprüft, ob die Vernachlässigung hätte vermieden werden können.



Die 21-jährige Mutter hatte der zuständigen Sozialarbeiterin mitgeteilt, dass sie nach Hellersdorf umziehen werde. Damit fiel sie offenbar aus dem Zuständigkeitsbereich der verantwortlichen Behörde in Charlottenburg-Wilmersdorf. Bis heute ist die junge Frau nicht umgezogen, doch die Ankündigung reichte anscheinend aus, um sich einer weiteren Betreuung durch das Jugendamt zu entziehen.

Weder der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst noch das Jugendamt in Charlottenburg-Wilmersdorf wollten sich am Mittwoch zu dem Fall äußern. Man könne frühestens Anfang nächster Woche Fragen beantworten, sagte Jugendstadtrat Reinhard Naumann (SPD), wenn die für den Fall zuständige Sachbearbeiterin wieder in Berlin sei.

„Wegen des Datenschutzes gibt es keine standardisierten Verfahren bei dem Wechsel von Bezirken“, sagte Sibyll Klotz (Grüne), Stadträtin für Gesundheit und Soziales in Tempelhof-Schöneberg. Akten könnten nur weitergegeben werden, wenn die Betroffenen (in diesem Fall die Mutter) zustimmten. Erst wenn der Verdacht bestehe, dass das Wohl des Kindes gefährdet ist, könnten Informationen bei einem Umzug weitergegeben werden, sagte Beate Köhn, die Sprecherin vom Kindernotdienst Berlin.

Marie-Luise Dittmar, die Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz, will sich zu dem konkreten Vernachlässigungsfall nicht äußern. Die Bezirke seien zuständig. Generell hofft sie, dass nach der Einführung des geplanten Kinderschutzgesetzes weniger Kinder durch das Netz der Behörden fallen werden. Das im Dezember vom Senat verabschiedete Kinderschutzgesetz sieht verbindliche Vorsorgeuntersuchungen für alle Kinder von der Geburt bis zum sechsten Lebensjahr vor. Wer nicht zu den Untersuchungen kommt, erhält Besuch vom Gesundheitsamt. Es bestehe aber weiter das Problem, dass die Behörden personell unterbesetzt seien, sagte Beate Köhn vom Kindernotdienst. sdw und kako

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