Umzug? : Automesse könnte mobil werden

Die Fahrzeugschau IAA findet bis 2011 in Frankfurt statt. Doch der Verband zieht um – und Berlin darf hoffen.

Alfons Frese

BerlinDie Konzerne lieben weitläufige Hallen, in denen ihre tollen Produkte so richtig glänzen können. Wie vor ein paar Jahren, als VW in einem Tempelhofer Hangar den neuen Scirocco vorstellte. Die Botschaft der Marketingstrategen: Imposantes Auto in imposanter Kulisse. Warum also nicht gleich eine ganze Automesse auf dem riesigen Gelände inszenieren? Das dachten sich kurz nach dem Fall der Mauer auch der damalige Berliner Messechef Manfred Busche und Erika Emmerich, die Präsidentin des Verbandes der Autoindustrie (VDA). Die beiden wollten die wichtigste Autoschau der Welt von Frankfurt am Main nach Berlin holen. Für die Nutzfahrzeuge schien Tempelhof ideal, für die Pkw wurde das Messegelände ausgebaut.

Eine schöne Idee, mehr nicht. Die Nutzfahrzeugmesse verlegte der VDA nach Hannover, und die Pkw werden noch immer in Frankfurt gezeigt.

Bald 20 Jahre später kündigt nun und durchaus überraschend der Autoverband seinen Umzug von Frankfurt nach Berlin an; die Lobbyisten wollen in der Nähe der Politik sitzen. Und da die Verträge mit der Frankfurter Messegesellschaft über die Ausrichtung der IAA nur bis 2011 gelten, gibt es wieder Spekulationen über die Verlegung der Messe an ihren Ursprungsort. Die erste IAA hatte es 1897 im Berliner Hotel Bristol gegeben, bis 1939 dann auf dem Messegelände am Funkturm und seit 1951 in Frankfurt.

Für Berlin sprechen die Kosten

Zu der aufwendigen Pkw-Messe pilgern alle zwei Jahre knapp eine Million Autofreaks in die Ausstellungshallen mitten in Frankfurt. Eine pompöse Show, zu der allein 15 000 Journalisten aus aller Welt anreisen. Zumeist mit dem Flugzeug. Das geht in Frankfurt deutlich besser als in Berlin - ein starkes Argument gegen eine so internationale Messe an der Spree. Mit dem neuen Flughafen BBI schwächt sich dieser Nachteil in ein paar Jahren aber ab.

Vor allem die süddeutschen Hersteller BMW und Mercedes waren vor 20 Jahren gegen eine Verlegung nach Berlin. Nicht nur wegen der geringeren Entfernung zu Frankfurt, sondern auch wegen des attraktiveren Einzugsgebiets: Im Radius von 200 Kilometern um Frankfurt herum gibt es jede Menge Hersteller und Lieferanten, und auch reichlich potenzielle Kunden von Mercedes und BMW. Im Berliner Raum eher weniger.

Tempelhof ist kaum als Autosalon zu gebrauchen

Was für Berlin spricht, sind die Kosten. Standmieten machen nur ein Fünftel der Messekosten aus, der große Rest geht vor allem für das Personal drauf, inklusive Unterbringung. Da es in Berlin viel mehr Hotels gibt als in Frankfurt, sind die Nächte hier günstiger. In Frankfurt lassen die großen Aussteller inzwischen ihre Leute im Umland schlafen und fahren sie morgens mit Bussen zum Messegelände.

Letztlich entscheidend sind aber die Kapazitäten. Frankfurt kann eine Brutto-Hallenfläche von 225 000 Quadratmetern anbieten, Berlin dagegen nicht mehr als 160 000. Raimund Hosch, Geschäftsführer der Messe Berlin, träumt von einer neuen Halle am Standort der Deutschlandhalle, die abgerissen werden soll. 10.000 bis 15.000 Quadratmeter wären zusätzlich drin - wahrscheinlich zu wenig. Vielleicht kommt also doch noch einmal Tempelhof ins Spiel. Mit rund 300.000 Quadratmetern ist der Flughafen gigantisch - allerdings nur begrenzt als Autosalon zu gebrauchen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar