Berlin : Umzug des Kanzleramts: Erst zum Check, dann an die Kisten

Ingo Bach

Über die Flure laufen Möbelpacker, zwischen ihnen hasten Behörden-Mitarbeiter umher. Akten werden verpackt und Büchercontainer geschoben. Schon jetzt stehen in und vor vielen Büros fertig gepackte Umzugskartons bereit und die Spediteure bringen immer noch Nachschub. Gewusel im ehemaligen Staatsratsgebäude am Schloßplatz in Mitte: Gerhard Schröders provisorischer Dienstsitz hat ausgedient. Freitag nachmittag beginnt der Umzug und ab kommenden Montag wird die Bundesrepublik vom Bundeskanzleramt an der Willy-Brand-Allee 1 aus regiert.

Viertausend Kartons müssen seine Leute bewegen, schätzt Bernd Schnittker, Projektleiter bei der Berliner Speditionsfirma Grohmann, die den Umzug stemmen wird. Allerdings: "Tragen ist inzwischen eher die Ausnahme, das meiste wird auf Containern gerollt." Trotzdem kommen nur Männer zum Einsatz. Für Frauen wären die etwa 25 Kilogramm schweren Kartons auf die Dauer zu schwer. Insgesamt 45 Mitarbeiter werden allein in Berlin fünfzig Lkw-Ladungen vom Schloßplatz ins Regierungsviertel karren.

Die Mitarbeiter des Bundeskanzlers beschriften brav ihre Umzugskartons, damit sie ihre Akten auch alle wiederfinden. Aber natürlich steht da nicht drauf: Schlafzimmer, Bad oder Wohnzimmer, sondern die Büronummer im neuen Kanzleramt.

Parallel zu dem innerberlinischen Umzug schafft Grohmann die Akten heran, die aus Platzgründen zunächst im Bonner Kanzleramt geblieben sind: insgesamt 2500 laufende Meter. Neun Laster plus Hänger sind dafür nötig.

Bis auf wenige Spezialmöbel - wie einige Vitrinen - bleiben alle Möbel am Schloßplatz. Im neuen Regierungssitz stehen eigens vom Architekten entworfene Einrichtungen bereit. Den Möbelpackern bleibt auch erspart, Porzellan bruchsicher einzuwickeln. Die Tage des repräsentativen Geschirrs, das man 1999 aus dem Bonner Sitz mit ins Staatsratsgebäude genommen hatte, sind gezählt. Das Design aus den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts erschien den Protokollbeamten nicht mehr zeitgemäß.

So ein Umzug funktioniert nur scheinbar nach den Regeln eines normalen Wohnungswechsels. Denn wenn die Machtzentrale der Bundesrepublik in ein neues Gebäude verlegt wird, gibt es natürlich auch reichlich sensibles Material zu transportieren: Geheimpapiere und Verschlusssachen. Kein Wunder, dass die Grohmann-Mitarbeiter von Sicherheitsbeamten durchleuchtet wurden. "Ich weiss nicht, wieviele Male schon", sagt Schnittker. Denn vor jedem Umzug für die Bundesregierung läuft immer das gleiche Prozedere ab: Sicherheitscheck der Möbelpacker. Doch mit den Hochsicherheitsmaterialien kommen die Leute von Grohmann eigentlich gar nicht in Berührung. Eine Spezialfirma verpackt die Geheimpapiere in versiegelte Spezialcontainer, die Grohmann dann ins neue Haus schafft.

Auch Zimmerpflanzen, die ihrer Größe wegen den Namen schon gar nicht mehr verdienen, können die Umzugsfirma vor logistische Probleme stellen. "Diese vier Meter hohen Gewächse aus dem Empfangssaal des ehemaligen Staatsratsgebäudes sind so überdimensional, dass man die nur auf der offenen Ladefläche transportieren könnte", sagt Schnittker. "Außerdem passen die in keinen Aufzug." Also nehmen sie die Gärtner aus dem Topf und die Möbelpacker verschnüren sie zu handlichen Formen. Erst im neuen Kanzleramt werden sie wieder eingepflanzt.

Bei Grohmann freut man sich schon über den nächsten Umzugsauftrag. Die Bundestagsabgeordneten ziehen demnächst in ihre Büros am Spreeufer.

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