Berlin : "Unbekannte Schätze" aus dem Staatsvermögen in der Nikolaikirche

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Russlands Glanz ist nicht stumpf geworden. Im Diadem "Russische Schönheit" spiegelt sich das Funkeln der Brillanten in riesigen Zuchtperlen. Das 300-teilige Silberbesteck des Hofjuweliers Fabergé schimmert gebrauchsfertig in unversehrten Holzschubladen. Aufbewahrt werden diese Stücke in der Staatlichen Schatzkammer Russlands. Mit der Ausstellung "Unbekannte Schätze Russlands", die heute in der Nikolaikirche beginnt, hat sie sich erstmals dem Ausland geöffnet. Russland ist ein unvorstellbar reiches Land. Und es kann teilen. "Diese Schätze sollten nicht länger unbekannt sein", sagte gestern der Leiter der Schatzkammer, Valerij Rudakov.

Nicht allein mit Bodenschätzen ist Russland gesegnet. Auch mit Handwerksmeistern, Männern mit "goldenen Händen", die diese Gaben der Erdgeschichte in Kunstwerke verwandelt haben. Wie weit diese Tradition trägt, zeigt das Diadem "Russische Schönheit": Einst vom Hofjuwelier für Zarin Alexandra gefertigt, lagerte es bis 1918 im Brillantenzimmer des Winterpalastes in St. Petersburg. Dann verkauften es die Bolschewiki, um die Revolution zu finanzieren. 60 Jahre später ließ Kremlchef Breschnjew das Diadem in der Staatlichen Schatzkammer rekonstruieren. Nach zehnjähriger Arbeit wurde das edle Schaustück 1987 fertig.

Vor einem Jahr schon sollte die Ausstellung mit über 1600 Zeugnissen russisch-sowjetischer Juweliers-, Gold- und Silberschmiedekunst in Berlin eröffnet werden. Die Commerzbank wollte die "Unbekannten Schätze Russlands" in ihrem Neubau am Pariser Platz zeigen. Im letzten Moment wurde alles abgesagt. Erst musste ein Gesetz her, dass die Sammlung im Ausland schützt. Im Oktober passierte dann das "Kulturschutzgesetz" den Bundestag. Es garantiert ausländischen Leihgebern die vollständige Rückkehr von Kunstschätzen in die Heimat, erklärte gestern der Berliner Kultur-Staatssekretär Josef Lang. Solange die Stücke in Deutschland sind, kann niemand bei Gericht einen Besitzanspruch begründen.

Selbstverständlich bestünde bei den russischen Pretiosen nicht die Gefahr, dass Nachfahren der Zarenfamilie Teile vom russischen Staat zurückfordern, wurde gestern in der Nikolaikirche betont. "Keines der Stücke hat eine zweifelhafte Vergangenheit." Versichert ist die Ausstellung auf über 100 Millionen Mark.

Bei aller russischen Herrlichkeit war am Rande der ersten Besichtigung auch Nachdenkliches zu hören. Ljudmila Zykina, die große russische Volkssängerin und Präsidentin der Moskauer Kulturakademie, begleitet die Juwelenschau gewissermaßen als moralische Instanz. Sie sagt, die Ausstellung komme auch nach Berlin, um der Welt zu zeigen: "Die russische Regierung und Präsident Putin denken nicht nur an Waffen und Krieg, sondern auch an die Propagierung der großen russischen Kultur."Museum Nikolaikirche, Nikolaikirchplatz (Mitte), 11. Februar bis 17. Juni. Geöffnet täglich von 10 bis 19 Uhr. Eintrittspreise: 15 Mark (ermäßigt 8 Mark).

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