Berlin : Unbekannte Tote

Werner van Bebber

will nicht anonym bestattet werden Friedhöfe gehören zur Stadt. Je mehr in ihr los ist, je diesseitiger der Betrieb, desto wichtiger sind sie. Aber immer mehr Menschen lassen sich anonym beerdigen – unter einer Wiese, im modernen Massengrab. Immer mehr Leute wollen nicht, dass sich einer um ihr Grab kümmern muss – oder sie haben niemanden dafür. Außerdem gibt es immer mehr einsame Alte. Deren Beisetzung darf das Bezirksamt organisieren, weil sich sonst keiner zuständig fühlt. Mit dem steigenden Durchschnittsalter der Berliner wird dieser Trend stark zunehmen. In ein paar Jahren wird ein eiskalter Wind durch diese Stadt pfeifen, und nicht nur im Herbst. Vielleicht denken darum schon einige darüber nach, wie man im Alter einen individuellen Lebensstil beibehalten kann, ohne zu vereinsamen, und wie man es hinbekommt, dass ein paar WG-Genossen am Grab stehen, nicht bloß der behördlich bestellte Urnenträger. Das wird Großstadtthema – nur nicht für die Politik.

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