Berlin : Unbekannte überfielen Frau und raubten ihren Luxus-Audi

Vor Auto abgepasst / Spektakuläres „Car Napping“ ist in Berlin noch eine Seltenheit

Jörn Hasselmann

Der 52 000-Euro-Audi war nagelneu. Doch die 41-Jährige aus Tempelhof hatte nur wenige Wochen Freude an ihrem schwarzen „Audi A6 Allroad“ mit Alufelgen und vielen Extras. Drei Männer raubten ihr das Fahrzeug am Montagabend in der Deitmerstraße in Steglitz, als sie es gerade mit der Fernbedienung geöffnet hatte. Die Unbekannten, vermutlich Osteuropäer, stürmten um 18.30 Uhr über den Gehweg heran, umklammerten ohne ein Wort die 41-Jährige und ihre 44-jährige Freundin jeweils mit einem Arm um den Hals und rangen sie so zu Boden. Einer entriss der Frau die Schlüssel, dann sprangen die 20 bis 30 Jahre alten Männer in den im August zugelassenen Wagen und flüchteten Richtung Hindenburgdamm. Der sechsjährige Sohn des Opfers wurde nicht angegriffen, alle blieben unverletzt. Den Kfz-Schein erbeuteten die Männer nicht.

Der spektakuläre Raub ist in Berlin – noch – eine Besonderheit. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen kennt diese und eine ähnliche Variante des Autoklaus seit zwei Jahren. Für eine beliebte Methode hat sie den Begriff „Home Jacking“ geprägt: Die Täter brachen in Häuser ein, um Autoschlüssel und -papiere zu stehlen. So konnten die Diebe das Problem der immer besser konstruierten Wegfahrsperren und Alarmanlagen elegant umgehen. Diese Methode gilt als „einfacher“ als die Autoschlüssel unter Androhung von Gewalt zu rauben. Denn dabei müssen die Täter immer mit Widerstand rechnen, wenn ein Autobesitzer seinen Wagen nicht hergeben mag. Als im März diesen Jahres in NRW die Zahl der so geklauten Luxusautos auf 110 rasant angestiegen war, wurde eine Sonderkommission gebildet – die durch Observation von Villengegenden 84 Osteuropäer festnahm. Im August gab es dann nur noch vier „Home-Jacking“-Fälle.

Die Berliner Kollegen rätseln jetzt, warum das Home Jacking und der Raub auf der Straße bislang so gut wie nicht vorkommen – schließlich ist Osteuropa näher als am Rhein und der Ruhr. „Das ist noch kein Thema“, sagte der im Landeskriminalamt zuständige Kriminaloberrat Manfred Schmandra. Die bisherigen Einzelfälle würden unabhängig voneinander in den örtlichen Direktionen bearbeitet. Würden die Banden auch in Berlin aktiv werden, würde das LKA die Fälle an sich ziehen, sagte Schmandra.

Das am Montagabend in Steglitz geraubte Modell passt 100-prozentig ins Bild. Denn die organisierten Täter bevorzugen teure Audi A 6 und A 8, BMW X 5 und Mercedes 500 – „am liebsten jenseits der 100 000-Euro-Grenze oder mit Allradantrieb“, sagte ein Ermittler. Berlin bleibt deutschlandweit an der Spitze: 4,6 von 1000 Autos werden gestohlen, 9527 insgesamt. Das Diebstahlsrisiko ist elf Mal höher als im Regierungsbezirk Schwaben, dem sichersten in Deutschland. Nach Angaben der Versicherungswirtschaft ist Audi im vergangenen Jahr zur meistgeklauten Marke aufgerückt.

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