Berlin : Unbekanntes Terrain

Südkreuz, Gesundbrunnen, Potsdamer Platz: Die neuen Bahnhöfe sind den Fahrgästen noch fremd

Klaus Kurpjuweit

Gefeiert hat die Bahn vor sechs Wochen auf jedem ihrer neuen Bahnhöfe. Doch während der Hauptbahnhof zu einem Besuchermagnet geworden ist, sind die anderen neuen Stationen – Südkreuz, Potsdamer Platz und Gesundbrunnen – von den Fahrgästen noch nicht so recht akzeptiert. Manchmal herrscht dort Leere auf den Bahnsteigen. Die Bahn will jetzt versuchen, die neuen Angebote bekannter zu machen.

In Südkreuz , dem ehemaligen S-Bahnhof Papestraße, halten alle Fern- und Regionalzüge im Nord-Süd-Verkehr, die auch in der unterirdischen Halle des Hauptbahnhofs stoppen. Nach den Prognosen der Bahn soll Südkreuz zum zweitwichtigsten Bahnhof Berlins werden.

Eine architektonische Schönheit ist aber nicht entstanden. Weil die Bahn über den Gleisen zwei Parkhäuser geplant hat, erwartet die Fahrgäste ein monumentales Betonbauwerk, unter dessen niedrigen Decken sie im Nord-Süd-Verkehr warten müssen. Und am einzig nutzbaren Parkdeck sind die Aufzüge noch nicht fertig. Großzügig ist dagegen die Halle der S-Bahn auf dem Ring geworden. Allerdings fehlt dort eine zentrale Anzeigetafel, die Fahrgästen zeigt, wo sie ihren Zug finden. So müssen sie sich an jedem Bahnsteigzugang gesondert auf kleinen Bildschirmen informieren.

Unübersichtlich seien auch die Regelungen bei den Haltestellen der BVG-Busse vor dem Bahnhof, bemängelt der Vorsitzende des Fahrgastverbandes IGEB, Christfried Tschepe. Weil die neue Verbindungsstraße vom Sachsendamm zum Werner-Voß-Damm noch immer nicht fertig ist, finden Fahrgäste zudem nur schwer den Weg zu den Haltestellen der Linien 184 und 248. Generell hält Tschepe die Information auf allen Bahnhöfen für mangelhaft. Fahrgäste vermissten vor allem die gewohnten, sonst immer in Glaskästen aushängenden Fahrpläne. Hier will die Bahn nachbessern, kündigt ihr Sprecher Burkhard Ahlert an.

Im Bahnhof Potsdamer Platz haben Mitarbeiter im Zwischengeschoss bereits provisorisch einen Fahrplan an die Glaswand geklebt. Und wer dann noch den Zugang zu den Bahnsteigen findet, hat es dort an heißen Tagen gut: Unter der Erde ist es angenehm kühl – schwacher Trost für alle Fahrgäste, die im Bahnhof einen mit Personal besetzten Schalter der Bahn vermissen.

In Gesundbrunnen haben Fahrgäste das Problem, dass sie den Bahnhof gar nicht sofort wahrnehmen. Die Bahn hat dort kein Empfangsgebäude errichtet. Auf dem riesigen Vorplatz gibt es nur zwei Pavillons: im einen kann man – neben Reiseproviant und Zeitungen – immerhin auch Fahrkarten kaufen. Nur ein kleines Schild weist darauf hin, dass es hier auch einen großen Fern- und Regionalbahnhof gibt.

Während die Bahn sicher ist, dass die neuen Stationen bei den Kunden bald „ankommen“ werden, wird es im Ostbahnhof wohl so leer bleiben wie jetzt. Dort halten nur noch 98 Fernzüge pro Tag. Vor der Umstellung waren es 146. Wie am Zoo machen die meisten Geschäfte jetzt weniger Umsatz.

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