Berlin : Und abends in die Schlange

Schon viele Stunden vor dem Trubel der Langen Nacht waren die Museen gut besucht

Florian Urschel

Klaus Wowereit kann es kaum erwarten. Schon um 17 Uhr 50, ganze zehn Minuten vor dem offiziellen Start der Langen Nacht der Museen, tritt er ans Mikrofon vor dem Roten Rathaus. Aber das ist noch nicht eingeschaltet – deshalb muss er die Eröffnung der Langen Nacht doch auf 18 Uhr verschieben.

Wowereits Worte „Die Lange Nacht der Museen ist eröffnet“ waren gestern Abend noch nicht verhallt, da stürmten bereits die ersten Museumsfreunde ins Rote Rathaus. Sie wollten die Amtsräume des Regierenden Bürgermeisters und den Sitzungssaal des Senats begutachten. Das Rathaus war eines von mehr als 100 Häusern, die in der Nacht zu Sonntag bis 2 Uhr geöffnet hatten. Tausende Menschen standen bereits nachmittags auf dem Platz vor dem Rathaus, dem Zentrum der Langen Nacht. Einige kauften noch ihre Eintrittskarten, andere nutzten die Infostände, um ihre Museumsroute zu planen. Ganz Eifrige hatten sich ihre Tour schon festgelegt und drängten sich dann ab 17 Uhr an den Sonderbushaltestellen. 13 Shuttlebuslinien fuhren während der Langen Nacht beinahe alle teilnehmenden Museen an. Sieben Touren starteten am Roten Rathaus.

Der Palast der Republik, derzeit als „Volkspalast“ für alle offen, war von Anfang an einer der Hauptanziehungspunkte der Langen Nacht. Schnell bildete sich auf dem Schlossplatz eine Schlange fast bis zum Spreeufer. Einige Besucher kannten den Palast noch als Sitz der DDR-Volkskammer. „Umso toller ist es, dass ich da heute einfach so durchspazieren kann“, freute sich Max Besoke aus Marzahn. Auch der zwischenzeitlich heftige Regen konnte seine Laune nicht trüben.

Die Häuser der Museumsinsel waren bereits vor Beginn der Langen Nacht gut besucht. Besonders Touristen drängten sich tagsüber in den Räumen der Alten Nationalgalerie und des Pergamonmuseums. Jochen Sturm und Wilfried Sprute aus dem Ruhrgebiet hatten am Abend aber anderes vor: „Wir gehen zu Anna Netrebko in die Waldbühne.“ Die Sopranistin trat dort bei der „Italienischen Nacht“ auf. Aber weil die beiden nur für ein paar Tage in Berlin sind, wollten sie sich einen Besuch der großen Museen wenigstens am Nachmittag nicht entgehen lassen. Sogar Hedwig Mardh und Magnus Haag aus Schweden hatten schon von der Langen Nacht gehört. „Aber wir schauen uns eh nur das Pergamonmuseum an, das interessiert uns am meisten. Wir brauchen keine Karte für die Lange Nacht.“

Am Abend füllten sich die Häuser dann vor allem mit Berlinern, darunter besonders treue Anhänger der Veranstaltung. „Ich war bisher jedesmal dabei“, erzählt Daniela Trautenburg aus Mitte. „Und immer gibt es was Neues zu entdecken.“ Ob sie auch schon nachmittags auf dem Platz vor dem Roten Rathaus war? „Na klar, ich hab dem Start richtig entgegengefiebert.“ Mit einer Langen Nacht kann man eben nie zu früh anfangen.

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