Berlin : Und alle Fragen bleiben

Trauergottesdienst für die Opfer des Luxemburger Flugzeugunglücks in der Gedächtniskirche

Bernd Matthies

Das erste Lied der Trauergemeinde fasste alles zusammen: „Noch kann ich es nicht fassen“. Eine Woche nach dem rätselhaften Absturz einer Luxair-Maschine auf dem Weg von Tempelhof nach Luxemburg stehen die Angehörigen der 20 Toten immer noch unter dem Schock eines Abschieds, der „überraschend, unbarmherzig, schmerzhaft“ war, wie es Pfarrerin Sylvia von Kekulé sagte.

Ihre Worte leiteten den ökumenischen Gedenkgottesdienst ein, der am Mittwoch nachmittag in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche stattfand – unter den Gästen waren neben den Angehörigen und Kollegen der Toten und Luxair-Mitarbeiter auch Verkehrsminister Manfred Stolpe, der luxemburgische Verkehrsminister Henri Grethen und der Botschafter Luxemburgs in Deutschland, Julien Alex. Gestaltet wurde der Gottesdienst vom Berliner Weihbischof Wolfgang Weider und vom evangelischen Bischof in Berlin-Brandenburg, Wolfgang Huber. Zwölf Kerzen auf dem Altar, sechs Blumenkränze davor – die Gestaltung der Kirche war betont schlicht gehalten.

In seiner Predigt betonte Bischof Huber, Gott sei „kein allmächtiger Techniker oder Chirurg“, der ein solches Unglück verhindern könne. Doch er wirke dem Leid entgegen, indem er sich auf die Seite der Leidenden stelle. Es gehöre zum Menschsein, sich einzugestehen, „dass unsere Existenz zerbrechlich ist“. Gott löse nicht alle Rätsel, und so bleibe das Rätsel dieses vorzeitigen Todes bestehen. „Warum stürzte gerade dieses Flugzeug ab, wo doch unzählige andere sicher an ihr Ziel kommen?“ fragte Huber und betonte, darauf gebe es keine Antwort: „Im Aufruhr unseres Herzens fragen wir, warum, und finden bei Christus ein Echo, der selbst unter unfassbaren Leiden am Kreuz starb und fragte, warum.“ Die Arme Christi, „der alle unsere Fragen mitnimmt, vor Gott bringt und uns vor ihm vertritt“, seien für alle Menschen offen. „Wir können nicht tiefer fallen als in Gottes Hand“, sagte Huber.

Weihbischof Weider bezog sich im Gebet auf Kapitel 4 des Markus-Evangeliums, das beschreibt, wie Jesus den Sturm über dem See Genezareth stillt und im Boot seine Jünger fragt: „Warum habt ihr solche Angst, habt ihr keinen Glauben?“ Mitten im Leben seien wir vom Tod umfangen, doch Gott sitze mitten unter uns und gebe uns Vertrauen.

Als Bischof Huber die Namen der 20 Toten vorlas, nahmen sich viele der Angehörigen in die Arme. Unter den Opfern waren fünf Berliner und sechs Brandenburger.

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