Berlin : Und alles Mama zuliebe

AUFTRITT DER WOCHE Zum Abschluss ihrer Tour wollen K.I.Z. bleibenden Eindruck hinterlassen.

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Bis zum Konzert im Bremer „Schlachthof“ dauert es nur noch wenige Stunden, gerade sind die vier HipHopper von K.I.Z. beim Soundcheck. Fünf Mal sind sie schon in Bremen aufgetreten, aber wie dieser Freitagabend werden wird, wagen sie nicht vorherzusagen. Die letzten Auftritte „waren teilweise so richtig geil und teilweise war keiner da“, sagt Rapper Maxim Drüner. Er klingt, als sei er auf alles gefasst.

Worauf sie sich für diesen Freitag in Berlin gefasst machen müssen, steht allerdings schon fest: auf ein volles Haus und ergebene Fans. Ein Heimspiel eben. Innerhalb kürzester Zeit war die Columbiahalle ausverkauft, deshalb geben K.I.Z. am Sonnabend an gleicher Stelle ein Zusatzkonzert. Klar, dass sie sich daheim besonders viel Mühe geben. Nicht nur, weil es die letzten zwei Konzerte ihrer aktuellen Tour sind. „Man will natürlich auch seine Freunde beeindrucken und Mama zeigen, dass man was Vernünftiges macht“, sagt Maxim Drüner, der ausgebildeter Physiotherapeut ist. Und auch der Manager dränge immer wieder, „dass wir in Berlin ein bisschen mehr auf die Kacke hauen. Dass wir eine Jungfrau opfern oder uns irgendeinen anderen Quatsch ausdenken.“

Gefunden ist die geforderte Jungfrau bislang nicht. Und was genau in der Show geboten wird, wollen die Musiker noch nicht verraten. Sie können es vielleicht auch nicht, denn bei ihren Konzerten improvisieren sie gerne, genau das macht den Reiz aus. „Ich glaube, die meisten Leute kommen, um uns beim Versagen zuzusehen, das ist bei uns am Unterhaltsamsten“, sagt Maxim Drüner. Um diesmal jedoch das Chaos auf der Bühne im Rahmen zu halten, hätten sie zum ersten Mal seit der Gründung der Band vor elf Jahren geprobt – „nicht viel, aber wir haben es getan“, sagt der 27-Jährige, und man weiß nicht, ob man das gut oder schlecht finden soll.

„Urlaub fürs Gehirn“ heißt das aktuelle Album von K.I.Z., es ist ihr mittlerweile viertes. Der Titel sei eine Verneigung vor den Flippers, erzählt Maxim Drüner. Eine Best-of-Compilation des Schlager-Trios sei im Fernsehen einst mit den Worten „Urlaub für die Ohren“ beworben worden, das habe ihnen gefallen. Doch seichte Melodien und gefühlsduseliger Weltschmerz liegen den vier Kreuzbergern nicht. Und deshalb sind die Texte auf der neuen Platte gewohnt sexistisch und provokant. Aber auch albern und selbstironisch. Ein deutsches HipHop-Magazin bescheinigte der Band einst „Toilettenhumor“. Fans lachen darüber, Kritiker schütteln den Kopf. Und die Veranstalter von „Rock am Ring“ sagten vor vier Jahren den Auftritt von K.I.Z. auf einer Aftershowparty des Festivals kurzerhand ab. Die Begründung: Ihre Stücke seien zu anrüchig.

K.I.Z. polarisieren eben, und das nicht nur auf der Konzertbühne. Im März dieses Jahres gaben Maxim Drüner und sein Kollege Nico Seyfried bekannt, bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus für „Die Partei“ anzutreten. Daraufhin besorgten sie sich schicke graue Anzüge und zogen mit Partei-Gründer und Satiriker Martin Sonneborn in den Wahlkampf. Eine ihrer Hauptforderungen: Wiederaufbau der Berliner Mauer. Nicht jeder fand dieses Anliegen plausibel und nachvollziehbar, manche Leute reagierten sogar aggressiv darauf. „Man wollte uns mehrmals auf die Fresse hauen, das war sehr lustig“, sagt Drüner . Seine Politikkarriere will er dennoch nicht an den Nagel hängen. Nana Heymann

Samstag, Columbiahalle, 20 Uhr,

Tickets ab 27 Euro, Freitag ausverkauft

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