Berlin : Und am Ortseingang grüßt Fontane

Städte und Dörfer dürfen künftig auf Ortsschildern Zusatznamen anbringen und damit auf sich aufmerksam machen – das kommt nicht nur Neuruppin gelegen.

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Ein Mann, ein Wahrzeichen. Auch das Fontane-Denkmal erinnert an den berühmten Sohn der Stadt. Foto: Thilo Rückeis
Ein Mann, ein Wahrzeichen. Auch das Fontane-Denkmal erinnert an den berühmten Sohn der Stadt. Foto: Thilo RückeisFoto: Thilo RŸckeis TSP

Neuruppin - Autofahrer könnten künftig beim Passieren von Ortseingangsschildern ins Grübeln geraten. Dort sollen neben den Namen der Städte und Dörfer auch Hinweise auf Personen und Besonderheiten stehen. Neuruppin etwa kann seine Besucher mit dem Zusatz „Fontanestadt“ begrüßen, weil der Dichter hier 1819 zur Welt kam. Frankfurt (Oder) könnte auf Heinrich von Kleist verweisen, Templin sich als „Perle der Uckermark“ präsentieren oder Teltow den Zusatz „Rübchen-Stadt“ tragen. Der Landtag erlaubte jetzt solche Zusatznamen und beauftragte den Innenausschuss des Parlaments, einen Gesetzentwurf zu erarbeiten. Als Muster gelten dabei Regelungen in Rheinland-Pfalz und Hessen.

Viele Orte versprechen sich durch die Aktion eine „größere Aufmerksamkeit“ bei den Touristen, wie der Bürgermeister der Stadt Trebbin, südlich Berlins, meint. Außerdem festige sie auch die Identität der Einwohner. Er wünscht sich den Zusatz „Clauert-Stadt“. Hinter dem Namen Hans Clauert verbirgt sich ein Eulenspiegel aus dem 16. Jahrhundert, der es bis zum Mitglied des Stadtrates geschafft hatte. Inzwischen gibt es in Trebbin Clauert-Salami, Clauert-Bier und eine Clauert-Bibliothek. 2006 wurde der Antrag noch vom Innenministerium abgelehnt, weil „Gründe des öffentlichen Wohles auf Änderung des Namens fehlten“.

Mehr Glück hatten die Stadtväter von Neustadt an der Dosse. Sie erhielten eine Ausnahmeregelung für den Beinamen „Stadt der Pferde“. Schließlich ist hier das Brandenburger Land- und Hauptgestüt ansässig. Bislang fehlte allerdings das Geld für die Beschriftung der Ortstafeln.

Zu den Befürwortern der Zusatznamen gehört die kleine Gemeinde Trebatsch in der Nähe von Beeskow. Hier wurde 1813 der Geograf Ludwig Leichhardt geboren, der in Australien als Nationalheld gilt. Seinen Namen kennt in dem fernen Land fast jedes Schulkind. Er findet sich auch auf Orts- und Straßenschildern sowie auf Landkarten als Bezeichnung für Flüsse, Bergrücken, einen Wasserfall und einen Highway. In Sydney steht seine Statue sogar vor dem Parlament. In mehreren Expeditionen hatte er die Ost-Nord-Route durch den Kontinent entdeckt und vermessen und so Siedlern den Weg bereitet und obendrein noch das größte Kohlevorkommen ausfindig gemacht. 1848 verliert sich seine Spur. In Trebatsch erinnert zwar ein Museum an den Wissenschaftler, aber seine Bekanntheit hält sich in Grenzen. Vielleicht würde der Zusatz „Leichhardt-Gemeinde“ viele Durchreisende neugierig machen, heißt es vom Gemeinderat.

Man darf auf das Studium der Ortschroniken gespannt sein, zumal die Brandenburger reichlich Erfahrung mit Umbenennungen und Zusätzen sammeln konnten. Guben an der Neiße trug von 1961 bis 1990 beispielsweise den offiziellen Namen „Wilhelm-Pieck-Stadt Guben“, weil hier auf der östlichen Uferseite der erste DDR-Präsident geboren worden war. Eisenhüttenstadt hieß bis 1961 Stalinstadt und an den Ortseingangsschildern von Neuhardenberg lautete die Bezeichnung zu DDR-Zeiten Marxwalde. Dagegen dürfte Spremberg wohl nie den Namen Strittmatter-Stadt tragen, nachdem in der Biografie des hier geborenen Dichters doch erhebliche Lücken und Unwahrheiten während des Zweiten Weltkrieges und zu DDR-Zeiten ans Tageslicht gekommen waren. Auch eine offizielle Ehrung zum 100. Geburtstag des Ehrenbürgers Strittmatter wird es nicht geben.

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