Berlin : & Contra

Werner van Bebber

Eins weiß jeder, der in Berlin unterwegs ist, ob er nun im Auto in der roten Welle vor sich hinträumt, sich auf dem Motorrad durch den Verkehr schlängelt oder als Mütterchen über den Gehweg humpelt und von 70 Kilo auf zwei Rädern zur Seite gekickt wird: Radfahrer sind Verkehrsteilnehmer höheren Rechts. Jetzt, im Sommer, findet gerade ein Großversuch statt, bei dem geklärt wird, wie weit Sonderrechte gedehnt werden können. Dass der Radfahrer ohne Licht über rote Ampeln fahren darf, ist längst ein Recht mit Fahrradfahrerverfassungsrang. Dass er, ohne sich umzusehen, vom Gehweg auf die Straße brettert und Fahrstreifen wechselt, während alle sogenannten Kraftfahrer langsam werden – das ist Gewohnheitsrecht. Sie machen, was sie wollen, bis auf die beiden Tage im Jahr, an denen die Polizei „Schwerpunktkontrollen“ veranstaltet und für fehlende Klingeln zehn Euro kassiert. Und dafür soll es mehr „Fahrradstraßen“ geben – noch mehr Sonderrechte? Außerdem ist es seltsam, dass an regnerischen Sommertagen innerstädtische Firmenparkplätze plötzlich wieder voller Autos stehen, weil die Begeisterung für das Fahrrad eben auch vom Wetter abhängt. Sollen die Fahrradstraßen im Herbst wieder zu Autostraßen werden? Werner van Bebber

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