Berlin : Und es war Sommer

Nach den ersten kalten Herbsttagen soll es wieder warm werden

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Als bevorzugte Wohnlagen gelten die Ortsteile Dahlem und Wannsee. Aber sie sind es nicht – wettermäßig. Schauerlicher Bodenfrost macht sich nachts dort breit. Aber was ist kaltes Erdreich im Südwesten gegen den fast sommerlichen Herbstanfang in der ganzen Stadt, der schon auf einen goldenen Oktober hoffen lässt? In Berlin strahlen seit gestern wieder die Gesichter, nach der grauen, kaltfeuchten Depression vom Montag, als selbst die Mienen bei denen nicht freundlicher wurden, die sich doch über das Ergebnis der Wahlnacht hätten freuen können. Es war grauslich und mit einem Höchstwert von 7,1 Grad der kälteste Berliner Herbstanfang seit fast 100 Jahren, wie die Meteorologen mitteilen.

Es konnte also nur noch besser werden. Der Kreislauf kommt wieder in Schwung, versprechen die Wetterexperten. Der Sommer, vom Kalender schon gestrichen, will die Stadt für kurze Zeit zurückererobern, auch wenn von Donnerstag bis Sonnabend vermutlich dickere Wolken kommen, aber davon soll jetzt noch nicht die Rede sein. Gestern, als sich der Himmel morgens in sattem Mittelmeer-Blau über die Stadt spannte, zeigte sich der Sommer tückisch – als optische Täuschung. Da holten viele Leute ihre T-Shirts und sonstigen leichten Klamotten heraus und gerieten draußen ins Zittern. Und so mancher fing zu niesen an und erinnerte sich, dass es mal „Übergangsmäntel“ gab, als das Wetter noch nicht zwischen Sommer und Winter extrem schwankte.

Gestern aber war klassischer Übergang: So um 14, 15 Grad, das sind gut zwei Grad unter der aktuellen Havel-Wannsee-Temperatur. Büroleute in grauen Anzügen und Touristen setzten sich mittags am Potsdamer Platz leicht bibbernd auf die kalten Stufen des DaimlerChrysler-Glaspalastes, aßen ihre mitgebrachten Brote und Salate und blinzelten in die Sonne. Sie wunderten sich, dass auf dem großen steinernen Potsdamer Platz rund um die Standuhr keine Bänke stehen. Dort hätten sie sich wohler gefühlt.

Rein statistisch gesehen hätte es auf den kalten Treppen angenehmer sein müssen. Tanja Lamprecht vom Wetterdienst Meteomedia stellt fest, dass eigentlich zur Mittagszeit an einem Septembertag wie diesem 18 Grad zu erwarten seien. Heute werden es wohl auch nicht mehr als 15 Grad, es zeigen sich mehr Wolken, die von morgen an noch dichter werden sollen, die Temperaturen gehen vermutlich leicht zurück, wobei die Meteorologen nun von milden Warmfronten sprechen mit weitgehend trockenem Himmel.

Wie auch immer – am Wochenende könnten es schon 17 Grad werden, wobei der Sonntag, der Tag des Berlin-Marathons, mit leichten Wolken freundlicher sein soll als der Sonnabend. Und erst der Montag: Er könnte mit 18 Grad einen post-sommerlichen Höhepunkt darstellen, bis am Dienstag eine Kaltfront unsere Sommerträume beendet.

Und auch heute startet der Tag vermutlich kalt, mit 1 bis 5 Grad. Der Bodenfrost wird aller Voraussicht nach wieder Dahlem und Wannsee bevorzugen. C. v. L.

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