Berlin : Und ewig lockt der Big Mac

McDonald’s will gegenüber einer Schule in Kreuzberg einziehen. Der Direktor versucht, dies zu verhindern

Christoph Villinger

Mitten in Kreuzberg plant die Fast-Food-Kette McDonald’s gegenüber von einem Oberstufenzentrum mit 3000 Schülern ein neues Restaurant mit „Drive-In“- Möglichkeit. Der Schulleiter des Oberstufenzentrums Handel I (OSZ) an der Wrangel-, Ecke Skalitzer Straße, Karl-Heinz Wolf, sagte zu dem Projekt: „Wenn wir das Fast-Food- Restaurant gegenüber unserer Schule verhindern können, werden wir dies tun.“ Am liebsten würde er sofort eine Protestveranstaltung organisieren. „Da versuchen wir in unserer Kantine, den Schülern gesunde Ernährungs-Angebote zu machen, um sie von ihrem Fast-Food-Verhalten abzubringen. Und nun so etwas.“ Neben dem Abfall, den die Schüler ins Schulgebäude mitbringen könnten, fürchtet Wolf auch den Verkehr und Lärm, den der Drive-In-Betrieb von McDonald’s verursachen könnte. Ein Fast-Food- Anbieter passe, so Wolf, weder in den Bezirk noch zum Profil seiner Schule, an der auch Lebensmittel-Einzelhändler ausgebildet werden.

Auch der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne), ist über die Standortwahl der Hamburger-Kette nicht begeistert. Seit zwei Jahren hat er Bedenken gegen den Bauantrag von McDonald’s – vor allem wegen der gegenüber liegenden Schule. Doch seit die Vertreter von McDonald’s bei ihm mit einem Kaufvertrag mit dem vorherigen Grundstückeigentümer – der Post AG – vorsprachen, ist „planungs- und baurechtlich nichts mehr dagegen zu machen“, sagte Schulz vor dem Stadtplanungsausschuss seines Bezirks. Zumindest sei es seiner Behörde gelungen, die geplante „gigantische Werbetafel an der Spitze des Grundstücks zur Skalitzer Straße zu minimieren“. Mit Schulz sind die Grünen des Bezirks „an diesem Ort“ gegen das Projekt von McDonald’s. Allerdings nicht aus ideologischen Gründen. Die Grünen teilen dieselben Bedenken, die auch den Schuldirektor umtreiben, so ihr Sprecher Manuel Sahib. Zudem passe das geplante Gebäude architektonisch überhaupt nicht zu den Backsteinbauten der benachbarten Post und der Schule. Stadtplaner Ümit Bayam (Stadtteilausschuss Kreuzberg) berichtet von einer Verunsicherung des Einzelhandels. „Viele kleine Bäckereien und Imbisse leben hier von den Schülern der Schule.“ Andre Wennicke, Bezirksverordneter der SPD, äußerte in der jüngsten Sitzung des Stadtplanungsausschusses auch die Befürchtung, dass es regelmäßig am 1. Mai zu Angriffen auf die neue McDonald’s-Filiale kommen könnte.

McDonald’s-Managerin Jennifer German sagte auf Anfrage, dass ihre Firma „in erster Linie Familien als Zielgruppe im Blick hat“. Natürlich seien auch Schüler willkommen. Aber die Frage danach, ob man die neue Filiale bewusst vor einer Schule platziere, verneint sie ebenso wie der Sprecher von McDonald’s, Cliewe Juritza. Aus seiner Sicht ist es „ein reiner Zufall, dass sich an diesem Standort eine Schule gegenüber befindet“. Beide können in dieser Entscheidung keine neue Strategie des Fast-Food-Konzerns erkennen. Neue Standorte würden nach vielfältigen Kriterien ausgewählt. In Kreuzberg sei man schon lange auf der Suche gewesen. Jetzt sei zunächst der Bauantrag gestellt worden.

Erst wenn der Bauantrag endgültig genehmigt ist, entscheidet sich, wie viele Plätze das neue Restaurant haben wird. Im Jahr 2001 betrieb McDonald’s in Deutschland mit rund 50 000 Mitarbeitern 1152 Restaurants, davon knapp 50 in Berlin. Der Konzern ist inzwischen in 121 Ländern der Erde präsent und erwirtschaftete im letzten Jahr einen weltweiten Umsatz von über 2,2 Milliarden Euro.

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