Berlin : Und hinterher Charlotte

Alfred Biolek und Klaus Wowereit kochen im Neuköllner Rollbergviertel ein Menü für die Gäste des Gemeinschaftshauses

Bernd Matthies

Mittwoch abends wird gepflegt gegessen im Gemeinschaftshaus in der Morusstraße. Das hat sich so eingebürgert, seit die Aktion „Mieter kochen für Mieter“ ins Leben gerufen wurde - und wenn ein Integrationsprojekt in einer so problematischen Gegend wie dem Rollbergviertel funktioniert, lassen die interessierten Politiker nicht lange auf sich warten. Klaus Wowereit hat schon mal gekocht, und er wurde danach mit einem Auftrag nach Hause geschickt: Ob denn nicht auch der Alfred Biolek mal reinschauen könnte?

Der Alfred Biolek macht sowas schon mal, vor allem, wenn jener Bürgermeister an seiner Seite steht, den er „meinen lieben Freund Klaus“ nennt. Ausnahmsweise ist Freitag, egal, das tut dem Appetit keinen Abbruch. Auf einem Tisch sind ein paar wacklige Gaskocher für Wowereit und Biolek aufgebaut – für die traditionsgemäß rund hundert Gäste reicht das nicht, aber es gibt ja die Profis im Hintergrund, die den Hauptteil der Arbeit machen und auch nicht nervös werden, wenn der Küchenmeister der Nation vorn erst einmal in aller Ruhe einen Stapel seiner Bücher signiert.

Das geht ihm sichtlich leichter von der Hand als das Knoblauchschneiden, das er wenig später eher knurrig exerziert, um den Hauptgang des für diesen Abend vorgesehen Menüs anzufertigen: Hühnchen provencale. „Man weiß ja aus deiner Sendung“, assistiert Wowereit, „dass du vom Knoblauch immer nur ganz wenig magst.“ Während die Hühnerbrüste in einer nur sehr vage provencalischen Mixtur aus Tomate, Sahne und Paprikapulver langsam versteinern, wendet sich Wowereit seinem Dessert-Klassiker zu, der „Charlotte Lorraine“, die dereinst mit seinem Namen so fest verbunden sein wird wie die Westbindung der Bundesrepublik mit Konrad Adenauer.

Er hat diese Quarkspeise schon einmal bei Biolek in der Sendung zubereitet – und weiß von ihrem Dauerbrennercharakter. „Immer, wenn das wieder in irgendeiner Schleife gezeigt wird“, berichtet er, „kriege ich massenhaft Mails.“ Inzwischen kann er die wichtigsten Handgriffe mit einer Hand ausführen und hat so die andere für das Mikrofon frei. Beide nehmen sodann einen Schluck Riesling, sichtlich erfreut darüber, dass dieser besonders angenehme Teil des Essen hier viel früher auf dem Programm steht als im Fernsehen.

Dann schichtet Wowereit die mit Kirschen vermischte Quarkmasse in handliche Aluformen – diese Portionen sind nicht zum alsbaldigen Verzehr bestimmt, sondern sollen nach dem Essen versteigert werden. Ob sie dann von den Besitzern gegessen werden, bleibt in deren Belieben gestellt; man kann sich eine solche Portion, sobald das Problem der Haltbarkeit gelöst ist, sicher auch im Bestand des Deutschen Historischen Museums vorstellen. Dann ist auch gut. Im Hintergrund brodelt bereits die Pilzsuppe, die als erster Gang außerhalb des Machtbereichs von Biolek und Wowereit entstanden ist, und die Chefin des Hauses weist die Presse in die Schranken: Um sechs wird gegessen, und da wollen die Rollberger unter sich sein, das ist nun mal so. Zum Schluss posieren die beiden Starköche noch einmal für die Kamera: Hmmmmmh!

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