Berlin : Und jedes Mal neue Büromöbel

Die Schulden der BVG steigen. Trotzdem werden freie Jobs mit teuren Leuten von außen besetzt. Die BVG-Beschäftigten sind deswegen genervt

Klaus Kurpjuweit

Unter den Mitarbeitern der BVG gärt es. Weil der neue Vorstandschef Andreas Graf von Arnim neue Mitarbeiter für die Führungsebene meist von außen holt, nimmt innen der Unmut zu. „Wir sind nicht bereit, das Unternehmen freiwillig zu verlassen, wenn an anderer Stelle neues Personal teuer eingekauft wird“, sagte ein Mitarbeiter dem Tagesspiegel. Aus dem BVG-Aufsichtsrat wird bestätigt, dass von Arnims Kurs umstritten ist.

Es werde gar nicht versucht, Mitarbeiter aus dem eigenen Haus für neue Aufgaben zu gewinnen. Es gebe kaum Weiterbildungsprogramme. Auch ein schlüssiges Konzept für die Personalplanung fehle. Statt dessen werde mit Hilfe von – teuren – Beratungsfirmen Personal von außen requiriert. Von Arnim wies die Vorwürfe zurück. Er versuche zunächst, qualifiziertes Personal im eigenen Betrieb zu finden. Erst wenn interne Ausschreibungen erfolglos blieben, greife man in wenigen Fällen auf Personal von außen zurück. Das sei ein „erprobtes Verfahren“.

Nicht fündig geworden ist die BVG demnach im neu strukturierten Bereich „Kommunikationsmanagement“. Dessen neuer Leiter Detlef Untermann kommt von der Bankgesellschaft. Auch die für Kontakte zu den politischen Parteien zuständige Position soll von außen besetzt werden. Hier hätten sich aber auch Lösungen innerhalb der BVG finden lassen, bemängeln Kritiker. Der Vorstand wolle zwar im Projekt „Verwaltung 500“ die Zahl der dort Beschäftigten von derzeit etwa 1300 auf zunächst rund 600 reduzieren; ein Konzept, wie dies umgesetzt werden könnte, gebe es aber nicht, heißt es im Aufsichtsrat. Schon längst hätte man Mitarbeiter für andere Aufgaben umschulen können.

Da betriebsbedingte Kündigungen bei der BVG tarifvertraglich ausgeschlossen sind, müssen die nach Ansicht des Vorstands überzähligen Mitarbeiter der Verwaltung woanders beschäftigt werden. „Daher haben wir kein Verständnis, wenn Leute von außen eingestellt werden, ohne ernsthaft nach innerbetrieblichen Lösungen zu suchen“, sagte ein Aufsichtsratsmitglied dem Tagesspiegel. Vor diesem Hintergrund könne man Mitarbeiter auch nur schwer animieren, das Unternehmen gegen eine Abfindung zu verlassen. Die BVG stehe damit vor dem Problem, sich von „ihren“ Mitarbeitern nicht trennen zu können, erhöhe aber gleichzeitig die Zahl der außertariflich bezahlten Positionen mit Mitarbeitern von außen. Das Unternehmen leistet sich neben dem Vorstand auch fast zehn Direktoren.

Die BVG zahlt auch, wie berichtet, an ein Vorstandsmitglied die vollen Bezüge weiter, obwohl der ehemalige Finanzvorstand Joachim Niklas „im gegenseitigen Einvernehmen“ das Unternehmen verlassen musste. So besteht der Vorstand nach außen aus nur drei Mitgliedern, während das Geld bis Ende Mai 2004 für vier fließt.

Kaum umstritten ist dagegen der Aufbau einer neuen Controlling-Abteilung, die ebenfalls auf Fachleute von außen zurückgreift. „Wenn diese Abteilung funktioniert, spart die BVG mittelfristig Geld“, so ein Experte. Nicht verhindern kann sie aber, dass neu gekommene Führungs-Mitarbeiter auch neue Möbel fürs Büro erhalten. Das ist bei der BVG Usus - und wurde auch jetzt bei den Neueinstellungen wieder praktiziert. Die Schulden der BVG haben übrigens mittlerweile die 500-Millionen-Euro-Grenze überschritten.

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