Berlin : Und jetzt noch mal mit Gefühl

„Danke“, lautete die kürzeste Rede zum Echo-Preis. Musikshow mit vielen Preisen, aber wenig Freude

Nana Heymann

Echte Freude sah man nicht viel, schon fast abgebrühte Preisträger umso mehr – der 14. Echo-Preisverleihung im Estrel Hotel in Neukölln fehlte trotz ungeheurem Promiaufgebot der nötige Schuss Gefühl. Eine der wenigen Ausnahmen waren die Musiker der Nachwuchsband Silbermond. „Allein beim Echo auftreten zu dürfen und dafür auch noch nominiert zu sein, ist für uns schon Ehre genug“, sagte Sängerin Stefanie Kloß kurz vor Beginn der Musikpreisverleihung. Mit vier Nominierungen galten Silbermond als die großen Favoriten – und die 20-jährige Sängerin strahlte mit ihren Jungs, als sie letztlich doch noch einen der insgesamt 25 Preise entgegen nehmen durfte – in der „Nachwuchspreis“-Kategorie. Den Jungmusikern war das jedoch egal. „Wir sind total glücklich“, sagte die Sängerin sichtlich überdreht auf der anschließenden Aftershow-Party im Estrel-Hotel.

Als Pechvögel des Abends konnte die Gießener Pop-Band Juli gelten: Dreimal nominiert, dreimal nicht gewonnen, und immer das falsche Lied zur falschen Zeit: Ihr Lied „Die perfekte Welle“ hatte kein Sender mehr gespielt, nachdem am 26. Dezember 2004 der Tsunami in Asien Hunderttausende Tote gefordert hatte. Und am Sonnabend wollte der DJ die Aftershow-Party gerade mit dem Juli-Hit „Geile Zeit“ eröffnen, als die Nachricht vom Tod des Papstes bekannt wurde. Da zog der Mann hinter dem Mischpult die Regler wieder herunter und entschied sich für gedämpften Jazz und Blues, so dass von Party keine Rede mehr war, die meisten Popstars fehlten ohnehin.

Große Freude über den Echo-Preis ließen etwa die Fantastischen Vier missen, sie gewannen als nationale HipHop- Band. US-Sängerin Anastacia bekam den Echo für die Kategorie „Künstlerin Rock/Pop International“. Die großen Gewinner des Abends waren Rammstein, die zwei Preise gewannen – als bester Live-Act und beste Alternative-Gruppe. In ihren dick-wattierten Kostümierungen ließen sie sich auf der Bühne allerdings nur zu einem kurzen „Danke“ hinreißen.

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