• Und nach dem Rennen ab zur Garderobe Alles im Beutel: Helfer passten auf die Kleidung auf

Berlin : Und nach dem Rennen ab zur Garderobe Alles im Beutel: Helfer passten auf die Kleidung auf

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Das war sicher die größte Garderobe der Welt, die gestern in einem riesigen Dreieck zwischen Straße des 17. Juni, Reichstag und Bundeskanzleramt aufgebaut war – 102 nummerierte weiße Lastwagen. In ihnen hängen entlang der Ladewände ebenfalls nummerierte Plastiktüten – sie enthalten den zivilen Habitus der Marathonläufer, ihre Kleidungsstücke, die Trainingsanzüge und die Handtücher. „Perfekt“, lobt gestern einer der Läufer das Procedere der Marathon„Garderobe“.

Das Prinzip ist einfach – die Startnummern sind die Garderobenummern – amWagen 11 hängen zum Beispiel die Nummern 6001 bis 6400. Der Schwabe Armin Keck hat die Startnummer 6448. Der Wievielte er geworden ist, weiß der 38-jährige Stuttgarter noch nicht. In Berlin ist er gestern erstmals überhaupt einen Marathon gelaufen. Jetzt ist er grenzenlos happy, strebt Richtung Kleidersammelpunkt und will danach zu seiner Frau, die irgendwo im Gewühl auf ihn wartet. Wann er Letztere findet, muss hier offen bleiben. Der Weg der Läufer zurück zu ihren Habseligkeiten ist da eher einfach.

Am Wagen 100 geben zwei Frauen die Kleidungstüten aus. Seit 13 Jahren hilft Gudrun Schirmer und seit zehn Jahren Barbara Deffken alljährlich beim Marathon – assistiert von Schülern, sind doch beide Sportlehrerinnen in der Elisabeth-Realschule in Charlottenburg. Die Pädagogen der Schule betreuten gestern immerhin zwölf Garderoben-Laster. Ihr Marathon-Sonntag hat gestern um 6Uhr30 begonnen. „Da haben wir unsere Jacken und Ausweise bekommen, die uns als Helfer kennzeichnen“, erklärt Barbara Deffke. „Und einen Verpflegungsbeutel mit Apfel, Brötchen, Wasser und Müsliregel“, ergänzt ihr „Assistent“, der 14-jährige Benjamin.

Das internationale Flair des Marathonlaufs macht dem Schüler Spaß. Zu sehen gibts auch genug. Die wenigsten Läufer nutzten gestern die aufgestellten Umkleidezelte – bei dem sonnigen Wetter ziehen sich die meisten gleich hinter den Wagen auf dem Rasengrün um – viele nutzen die gelbe Wärmehülle, die sie am Ziel bekamen, als Unterlage, strecken darauf erst mal alle Viere von sich, bevor sie sich erschöpft, aber glücklich ihres durchweichten Sportdresses entledigen. „Da haben wir schon so manchen blanken Po gesehen“, lachen am Wagen 100 die zwei ehrenamtlichen Garderobieren. Gegen 15 Uhr haben sie Feierabend – bis dahin übrig gebliebene Kleidungsbeutel werden dann zentral in einem Wagen zum Abholen aufbewahrt.

Was sie danach machen – „im vergangenen Jahr habe ich mich nach dem verregneten und kühlen Marathon-Einsatz erst mal ins Bett gelegt“, erinnert sich Barbara Deffken. Gestern konnte bei strahlendem Sonnenschein davon keine Rede sein. hema

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