Berlin : Und nach dem Zoff wird Wein eingeschenkt

Die neue Diskussionsrunde „Disput/Berlin!“ startet In England ist das Format bereits sehr erfolgreich

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Martin Sonneborn. Foto: ddp
Martin Sonneborn.Foto: ddp

Das kann spannend werden. In London ziehen öffentliche Debatten zu brennenden Streitfragen manchmal 4000 bis 5000 Leute an. „Disput/Berlin!“ will das Format nun nach Berlin bringen. Am Anfang steht eine Gretchenfrage: „Ohne Religion wäre die Welt besser dran“, heißt das Thema, über das am 24. März um 18.30 Uhr in der längst ausverkauften Villa Elisabeth (Invalidenstraße 3, Mitte) gestritten werden soll. Unter dem Motto „So geht Streiten“ will Initiatorin Jutta Falke-Ischinger aber keine neue Variante der Talkshow starten. Hier ist echter Wettbewerb angesagt.

Zu Beginn der Veranstaltung stimmt das Publikum zum ersten Mal über die These ab. Nach den Kurzplädoyers der Podiumsstreiter wird es auch in die Debatte mit einbezogen. Die Stunde der Wahrheit folgt im Anschluss an die Schlussplädoyers. Darüber, wer die besseren Argumente hatte, welche Meinung sich durchsetzen konnte, stimmt das Publikum ein weiteres Mal ab. Das Ergebnis wird noch während der Veranstaltung bekannt gegeben. Zum Ausklang gibt’s dann noch ein versöhnliches Glas Wein.

Zusammen mit dem Unternehmer Karl Ratzek, der unter anderem Marken lanciert, will die Autorin eine echte Alternative zur Talkshow aufbauen und hofft, dass sie ihr neues Format vielleicht irgendwann sogar ins Fernsehen bringen kann. Die reflexhaften Gesten von Zustimmung und Empörung, der Hang, Themen vor den Kameras einfach zu zerreden und nur zu sagen, was man sowieso die ganze Zeit schon mal sagen wollte, nervt sie zusehends. Die frühere Leiterin des Hauptstadtbüros des „Rheinischen Merkur“ hat an der Seite ihres Mannes, des Diplomaten Wolfgang Ischinger, einige Jahre in London und Washington verbracht und über ihre Erfahrungen den Bestseller „Wo bitte geht’s zur Queen?“ geschrieben.

Aus London stammt auch ihre Faszination an Debatten. Die Veranstaltungen der Medienunternehmer Jeremy O’Grady und John Gordon, die in London die universitäre Debattenkultur ihrer Alma Mater Cambridge vermisst hatten und unter dem Titel „Intelligenz hoch zwei“ jeweils enthusiastische Fan-Zirkel in die Räume der Royal Geographical Society zogen, besuchte sie selber mit Begeisterung. Wie dort soll auch hier den Kombattanten das Mikro ausgeschaltet werden, wenn sie die Redezeit überschreiten.

Rede und Gegenrede sollen nämlich nicht nur polarisieren, sondern auch auf intelligente Weise unterhalten. Das funktioniert in England gut. Ob ein solches Konzept in die deutsche Streitkultur passt, muss sich natürlich erst noch erweisen. Man wird es sehen, wenn bei der Premiere darüber gestritten wird, ob die von Religion vermittelten Werte und Regeln wirklich für ein friedliches Zusammenleben gebraucht werden oder ob nicht gerade Religion Grausamkeiten wie Folter, Krieg und Terror erst ausgelöst hat.

Für die Religion streiten Alt-Bischof Wolfgang Huber, Prälat Wilhelm Imkamp, Autor Matthias Matussek und Gloria Fürstin von Thurn und Taxis. Die Gegenposition nehmen ein die Anwältin Monika Frommel, Sozialwissenschaftlerin Necla Kelek, der Journalist Alan Posener und Satiriker Martin Sonneborn. Moderator ist Stefan Aust.

Auch die nächsten Themen stehen schon fest. Intelligent gestritten werden soll unter anderem über die Thesen „Die Ehe ist tot“ und „Die Bankenkrise hat den Kapitalismus noch stärker gemacht“. Nur die guten Argumente zählen, wenn es am Ende schließlich heißt: „Der Gewinner ist ...“. Elisabeth Binder

Das Projekt und Positionen

der Streitenden im Netz unter

www.disput-berlin.com

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