Berlin : Und nun: Alle für ein „Ost-West-Schloss“ in Berlins Mitte

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Sie jubeln. Sie eilen spontan zum Schlossplatz, lassen die Sektkorken knallen und umarmen Wilhelm von Boddien: „Wir empfinden große Befriedigung, aber ohne Triumphgeschrei und ohne Häme“, sagt Holger Heiken. Der Vorsitzende der Gesellschaft Historisches Berlin saß am Donnerstag mit dem nimmermüden Hamburger Schloss-Agitator auf der Tribüne des Bundestages und empfand die klare Mehrheit für die Barockfassade auch als Lohn für das vielfache und jahrelange Engagement der Mitglieder der Gesellschaft . „Nun übernehmen wir so etwas wie die ideelle Bauherrenschaft: Alle Berliner sollten Ja! zum Schloss sagen und stolz auf das Projekt sein.“ Ähnlichkeiten zum Geist, der den Aufbau der Dresdner Frauenkirche beflügelt, sind durchaus beabsichtigt. „Wir müssen hier das Rad nicht neu erfinden – die Dresdner haben uns vorgemacht, wie man mit großem Erfindungsreichtum solch großes Projekt auf dem Weg begleitet.“

Holger Heiken hat großen Respekt vor den Gefühlen der Freunde des Palastes der Republik. Nach der Empfehlung des Bundestages seien sie eingeladen, sich einzubringen und die neue Gestaltung der alten Mitte als gemeinsame Aufgabe der Berliner aus Ost und West zu begreifen. „Die Palast-Befürworter sollten sich nicht als Verlierer fühlen, sie sind vielmehr eingeladen, sich an der künftigen Gestaltung des Areals in der Mitte der Mitte zu beteiligen.“

Die Gesellschaft empfinde auch keinerlei Triumph gegenüber den Befürwortern moderner Architektur an dieser Stelle. „Ihnen zum Trost können wir sagen, dass auch sie zum Zuge kommen werden – für das Innere des Hauses werden die besten Ideen einer modernen Gestaltung gesucht und mit Hilfe sensibler Architektur auch gefunden.“

Ebenso wie bei Wilhelm von Boddien heißt es auch bei der Gesellschaft, die inzwischen 1850 Mitglieder zähle, dass die eigentliche Arbeit erst jetzt beginnt. Dabei hilft, dass die Zahl der Schloss-Befürworter in den letzten Jahren stetig gestiegen ist. Die letzte Ted-Umfrage lag bei 78 Prozent für das Schloss. So hofft man, auf eine große Spendenbereitschaft zu treffen, wenn 75 Millionen Euro (von insgesamt 670 Millionen) eingesammelt werden sollen, sowohl bei Firmen und Sponsoren wie bei einzelnen „Schloss-Aktionären“ oder einfach mit der Sammelbüchse an der Straßenecke. Der Senat, sagt Holger Heiken schließlich, sollte seine Verweigerungshaltung aufgeben und statt dessen die neue große Aufgabe „optimistisch, mit Mut und Phantasie“ angehen. Und der Bund als praktischer Bauherr müsse wissen, was ihm dieses einzigartige kulturelle Zentrum in der Hauptstadt wert ist. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Klaus-Dieter Lehmann ahnt schon mal Jahre, wenn nicht Jahrzehnte voraus und sieht in dem „neuartigen, lebendigen Fokus für die Weltkulturen“ einen „Ort des Staunens, des Innehaltens und des Lernens“.

Ein Schlossplatz-Picknick zur Feier der Fassadenentscheidung soll am 31. Juli ab 19 Uhr stattfinden, natürlich auf dem Schlosspatz. Es ist auch ein Fest zur 559. Wiederkehr des Tages der Grundsteinlegung für das alte Schloss im Jahre 1443. Lo.

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