Berlin : Und plötzlich gehört man zum Überhang

Was tun, wenn die Stelle plötzlich wegfällt? Zwei Beispiele aus dem öffentlichen Dienst

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Cordula Klapper,

Personalsachbearbeiterin

„Das ist, als wenn elf Leute in einem Raum sind – und nur zehn Stühle.“ So erklärt Sachbearbeiterin Cordula Klapper Besuchern das sperrige Wörtchen, das die Beschäftigten der Verwaltung beunruhigt: „Überhang“. Bei der jungen Frau war es vor fünf Jahren so weit. Damals war die gelernte Erzieherin im Bezirksamt als Sachbearbeiterin für die Kitas angestellt. Als die Zahl der Kitas drastisch schrumpfte, fiel irgendwann auch ihre Stelle weg. Das hieß, dass ihre Arbeit von einem Tag auf den anderen von den Kollegen mit erledigt wurde. Plötzlich war sie nur noch für Sortierarbeiten zuständig und für andere Aufgaben, die sonst nur Azubis zugemutet werden. Sie fühlte sich wie auf dem Abstellgleis. „Ich bin in ein großes, schwarzes Loch gefallen“, erinnert sich die 39Jährige. Aber nach einigen Wochen nahm die beherzte Frau die Sache in die Hand. Sie fragte ihre Vorgesetzten, wo ihre Fachkompetenz gebraucht wird.

In der Personalverwaltung ihres Bezirksamtes wollte eine Kollegin in den Ruhestand, ein Ersatz wurde gesucht. Seit Ende 1997 ist sie dort jetzt Personalsachbearbeiterin. Cordula Klapper hatte Glück. Ob sie mit dem Stellenpool, der künftig Staatsdiener aus weggefallenen Stellen zentral in neue Arbeiten vermittelt, auch glücklich geworden wäre? Frau Klapper ist skeptisch. Sie hätte Angst, in einem weit entfernten Bezirk mit völlig neuen Aufgaben konfrontiert zu werden. Sie weiß aber auch, dass es angesichts der weiteren Sparmaßnahmen in der Verwaltung jeden treffen kann. „Der Kelch ist noch lange nicht an uns vorübergegangen.“ lvt

Claus Dieter Pöhler,

Stellvertretender Amtsleiter

Claus-Dieter Pöhler (43) macht sich Sorgen. Er hat Jura studiert, Praktika gemacht, sich zum stellvertretenden Leiter des Rechtsamts im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hochgearbeitet. Seit einem halben Jahr steht hinter seinem Namen in der Personalakte der Vermerk „kann wegfallen“, nicht weil er so schlecht gearbeitet hätte, sondern weil er durch das Raster der behördlichen „Sozialauswahl“ gefallen ist, die Mitarbeiter nach Dauer der Beschäftigung und Familienstand beurteilt. Durch die Fusion der Bezirke Kreuzberg und Friedrichshain ist seine Stelle überflüssig geworden.

„Ich will nicht irgendwo als Lückenbüßer eingesetzt werden“, sagt Pöhler, „sondern meine Spezialkenntnisse und Erfahrungen einsetzen.“ Die hat er sich im Bereich Personalwesen, Baurecht und Umweltrecht erarbeitet. Er ist überzeugt, dass die eigene Behörde viel besser eine neue Stelle für ihn suchen könnte, da sie ihn kenne, als ein zentraler Stellenpool, für die er nur eine anonyme Nummer sei.

„Ich sehe ja ein, dass das Land sparen muss, aber ich möchte trotzdem eine sinnvolle Beschäftigung.“ Pöhler fürchtet auch Konsequenzen für seine weitere Zukunft. „Wenn ich erstmal aus meiner Berufspraxis herausgerissen bin, dann werde ich auch später keine Stelle mehr in dem Bereich bekommen.“ Um der Arbeit des Stellenpools vorzugreifen, bewirbt sich Pöhler nun selbst aus Friedrichshain weg, auch über die Landesgrenzen hinaus. clk

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