Berlin : Und zwar durch Zuzüge aus Berlin, heißt es im neuen Statistischen Jahrbuch

Michael Mara

Brandenburg ist ein zweigeteiltes Land: Die berlinfernen Regionen, schon jetzt dünner besiedelt als Griechenland oder die Türkei, verlieren immer mehr Einwohner. Auch zehn Jahre nach dem Mauerfall hält der Aderlass unvermindert an, wie aus dem gestern präsentierten Statistischen Jahrbuch 1999 hervorgeht. Hingegen nimmt die Einwohnerdichte im Speckgürtel um Berlin rasant zu. Vom Bevölkerungsrückgang betroffen sind die Kreise Prignitz, Ostprignitz-Ruppin, Uckermark, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße sowie die vier kreisfreien Städte, einschließlich Potsdam.

Dass die Sanssouci-Stadt trotz ihrer idea^len Lage vor den Toren Berlins Einwohner verliert, liegt daran, dass viele Potsdamer das Umland vorziehen. Der Kreis Potsdam-Mittelmark verzeichnete 1998 mit einem Plus von 8359 Personen den größten Zuwachs überhaupt, gefolgt vom Landkreis Oberhavel mit einem Zuwachs von 6243 Personen.

Obwohl in Brandenburg mehr Menschen sterben als geboren werden, also ein sogenannter Sterbeüberschuss existiert, ist es das einzige neue Bundesland mit kontinuierlich wachsender Bevölkerung: Der Grund sind die Zuzüge aus dem Ausland (Spätaussiedler), vor allem aber aus dem Bundesgebiet. Während 1998 genau 94 134 Personen zuzogen, verließen 67 869 das Land. Dieser Trend setzt sich, so Arend Steenken vom Statistischen Landesamt, auch in diesem Jahr fort. Jeder zweite Zuzügler war 1998 ein Berliner (fast 48 000), umgekehrt wanderten die meisten Brandenburger (1998 fast 20 000) nach Berlin ab. Unterm Strich ein Plus für Brandenburg von rund 28 000 Menschen.

Davon profitiert unter anderem auch der Wohnungsbau: Allein 1998 erhöhte sich der Bestand um rund 28 000. Die Behörden erteilten rund 21 500 Baugenehmigungen, 21 312 Gebäude wurden fertiggestellt. Denoch erreichten die Konkurse im Baugewerbe mit 594 Fällen ihren bisherigen Höhepunkt.

Die Statistiker ermittelten noch andere Rekorde und auch viel Widersprüchliches: Mit knapp 1500 Gemeinden nimmt das bevölkerungsschwache Land bundesweit einen Spitzenplatz ein. Das Patenland Nordrhein-Westfalen bringt es trotz einer vielfach größeren Bevölkerungszahl nur auf 396. Kleinste Gemeinde ist Basdorf mit 31 Einwohnern.

Während immer mehr Gäste nach Brandenburg kommen, geht die Aufenthaltsdauer (rein statistisch 2,9 Tage) und damit auch die Bettenauslastung (30,9 Tage) zurück. Die Zahl der Erwerbstätigen geht insgesamt zurück, während die der Agrarbetriebe wächst. Vor allem der Anbau von Gurken und Spargel nimmt zu und prägt das Image der märkischen Landwirtschaft. Die ist in einem Feld sogar deutschlandweit Spitze: In keinem anderen Bundesland gibt es mehr Enten als hier (728 000). In Brandenburg, das haben die Statistiker exakt nachgezählt, watschelt damit jede dritte Ente Deutschlands.

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