Berlin : Unerlaubte Spiele am PC – Internetcafé-Betreiber muss zahlen

Geldstrafe für 30-Jährigen, der sich keiner Schuld bewusst ist

-

Bei einer Kontrolle in einem Tempelhofer InternetCafé kurz vor Mitternacht saßen auch zwei 12 und 15 Jahre junge Gäste vor Bildschirmen. Die PC-Spiele, die ihnen in dem von Marco H. mitbetriebenen Café zugänglich gemacht wurden, waren zum Teil mit virtuellen Waffen, mit Gewalt gegen Menschen und auch mit zahlreichen Hakenkreuzen verbunden. Spiele, die die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften längst auf ihren Index gesetzt hatte.

„Die Leute wollen einfach nur so etwas spielen“, meinte der 30-jährige H. gestern vor dem Amtsgericht Tiergarten. Ein Zusammenhang zwischen Jugendgewalt und solchen Computerspielen sei auch nicht bewiesen. Von einem „sportlichen Charakter“ der Spiele sprach der angeklagte Kaufmann und von einer „Gemeinschaft“, die bei den Spielern entstehe. Die Richterin fand seine ersten Erklärungen erschreckend, der Staatsanwalt auch. Nach einer kurzen Pause sprach der Anwalt des Angeklagten: „Mein Mandant ist ein Computerfan, er hat einen Fehler gemacht.“ H. habe zwar auch die Hakenkreuze gesehen, die Dinge aber falsch eingeschätzt. Nach der behördlichen Kontrolle im Februar 2002 waren über 30 miteinander vernetzte Computer des Angeklagten und seines Partners beschlagnahmt worden.

Es sei im Interesse der Öffentlichkeit, dass Kinder und Jugendliche nicht mit „solchem Schrott“ bombardiert würden, sagte die Richterin. „Märkte gibt es immer und für alles, aber das ist nicht das Maß aller Dinge.“ Gegen Marco H. erging wegen Verwendens verfassungswidriger Kennzeichen und Verstoßes gegen das Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften eine Geldstrafe von 90 Tagessätzes zu je 25 Euro. In das Urteil wurde eine Strafe wegen eines Pornobildes auf der Homepage des Angeklagten mit einbezogen. Seine Computer bleiben bei der Justiz. K. G.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben