Unfälle : Für Kinder ist der Schulweg gefährlich

Viele Eltern unterschätzen die Risiken des Radfahrens und lassen ihre Kinder zu früh mit dem Fahrrad allein zur Schule fahren. Am Donnerstag präsentierte die Unfallkasse Berlin ihre Bilanz zu Unfällen in Schulen und Kitas.

Sandra Dassler

Die schwersten Schul-Unfälle ereignen sich nicht im Unterricht, sondern auf dem Weg dorthin oder zurück. Darauf wies der Geschäftsführer der Unfallkasse Berlin, Wolfgang Atzler, am Donnerstag bei der Präsentation der Unfallzahlen an Berliner Schulen und Kitas hin. Atzler sieht die Ursachen dafür vor allem darin, dass Eltern ihre Kinder zu früh mit dem Fahrrad auf den Schulweg schicken. „Mit acht, neun Jahren ist die Koordinationsfähigkeit oft noch nicht so weit ausgebildet, dass die Kinder wirklich sicher im Verkehr agieren können“, sagte er. Außerdem würde die Unfallkasse, die 674 000 Kita-Kinder, Schüler und Studenten versichert, eine Helmpflicht für radfahrende Kinder begrüßen, denn: „Die Verletzungen betreffen meist den Kopfbereich.“

Atzler verwies allerdings darauf, dass es auch Argumente gegen das Tragen von Helmen gebe. So könnten diese die Sicht der Kinder einschränken oder eine zusätzliche Unfallgefahr darstellen, wenn sie beispielsweise beim Toben auf Spielplätzen nicht abgenommen würden. Auch das Problem des toten Winkels sei in Berlin nach wie vor akut. „Noch sind längst nicht alle Lkw mit einem Dobli-Spiegel ausgestattet, der den toten Winkel zwar nicht aufhebt, aber wenigstens verkürzt“, sagte Atzler. Aber auch Hektik am Morgen erhöhe die Unfallgefahr enorm. Kinder, die es eilig hätten, achteten weniger auf den Verkehr. Eltern sollten also dafür sorgen, dass Kinder ausreichend Zeit für den Schulweg haben.

Heidelore Geitner, Leiterin der Schülerunfallprävention, sagte, dass sich zwar nur fünf Prozent aller Unfälle auf dem Schulweg ereignen, diese aber mehr als 50 Prozent der Kosten verursachen, die eine Rentenzahlung wegen bleibender Schäden erforderlich machen. Die meisten – glücklicherweise harmloseren – Unfälle geschehen in den Pausen (Grundschulen 37 Prozent, Oberschulen 20 Prozent) und im Sportunterricht (Grundschulen 35, Oberschulen 53 Prozent).

Bei den Unfallursachen liegen simples Hinfallen, Stolpern oder Umknicken an der Spitze. Es folgen ungewollte Rempeleien mit anderen Schülern oder Treffer durch Bälle oder andere Sportgeräte. Immerhin 11 bis 15 Prozent resultieren aus Schlägen und Tritten von Mitschülern.

Insgesamt ereigneten sich im vergangenen Jahr 43 660 Unfälle an Schulen. Das sind 224 pro Unterrichtstag und 920 (etwa zwei Prozent) weniger als 2007. Um die Unfallzahlen nach Schulformen und Bezirken besser vergleichen zu können, berechnet die Unfallkasse die Anzahl der Unfälle bezogen auf tausend Schüler. Diese Quote sank zwar insgesamt von 138 auf 137, stieg aber an Grundschulen von 151 auf 153. An Hauptschulen ging die Zahl von 150 auf 134 zurück, an den Realschulen nur von 158 auf 157. Die meisten Unfälle geschahen an den sonderpädagogischen Förderschulen mit einer Quote von 176. An Gymnasien passierten die wenigsten Unfälle: 93 auf tausend Schüler.

Auch 20 Jahre nach der Wende ereignen sich in den Ostbezirken immer noch mehr Unfälle als im Westen, was die Unfallkasse aber darauf zurückführt, dass es mehr Ganztagsbetreung im Ostteil gibt.

In den Kitas sank die Unfallquote von 86 im Jahr 2007 auf 85 in diesem Jahr. Insgesamt ereigneten sich 9400 Unfälle, darunter auch der einzige tödliche: Auf dem Weg zur Kita riss sich ein fünfjähriges Kind von der Hand der Mutter los und lief auf der Sonnenallee in ein Auto.

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