Unfälle : Truck Stop an der Klemkebrücke

Gleich zwei Unfälle an einem Tag auf der Klemkebrücke in Reinickendorf. Warnbaken konnten wegen der Kälte noch nicht aufgestellt werden.

Stefan Jacobs
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Das ist Tagesrekord: Binnen weniger Stunden sind am Dienstag gleich zwei Lastwagen unter den Bahnbrücken in der Klemkestraße stecken geblieben. Nachdem ein Lkw gegen Mittag die tiefste der vier Brücken nur mit der Dachfolie touchiert hatte, krachte am Abend ein Sattelzug auf dem Weg von Alt-Reinickendorf nach Schönholz mit Wucht in die 3,7 Meter hohe Brücke. Der Auflieger wurde demoliert, die Straße gesperrt – und die an solche Unfälle gewöhnten Anwohner fragen sich, ob diese Häufung normal ist.

Ja, sagt Peter Peterson, der selbst jahrelang Lastwagen fuhr und jetzt Geschäftsführer der Spedition Allways in Buckow ist. „Der Haken sind die Navigationssysteme“, sagt Peterson. „Die Leute verlernen, auf die Karte zu gucken. Sie werden irgendwie phlegmatisch, augenmüde und bequem.“ Der Vorfall vom Dienstagabend gibt ihm offenkundig recht: Als die Polizei eintraf, glomm im Führerstand des Lastwagens noch das Navi-Display. Darauf ein Pfeil und als zusätzlicher Hinweis zwar ein 50-km-Schild, aber kein Hinweis auf die Brückenhöhe. 3,7 Meter sind für viele Lkw zu wenig; die Standardhöhe großer Sattelzüge liegt bei vier Metern. Die aktuellen BVG-Doppeldecker sind noch sechs Zentimeter höher, haben aber im Gegensatz zu Lkw ihre festgelegten Routen. Ende 2007 wich ein Busfahrer auf dem Weg zum Betriebshof davon ab – und büßte an der Klemkestraße das Oberdeck ein. Im Laufe des Jahres 2008 krachte es dann mindestens acht Mal. Im November wurde bei der Verkehrsverwaltung auch der Wunsch des Reinickendorfer Bezirksamtes erhört, in einiger Entfernung vor den Brücken sogenannte Klingelbalken aufzustellen. Diese aufgehängten Metallbaken sollen die Fahrer gerade noch rechtzeitig warnen, da die Hinweisschilder auf die Höhe – es sind bereits zwei pro Richtung – offensichtlich nicht beachtet werden. „Wir haben die Zustimmung für die Klingelbalken gegeben“, hieß es am Mittwoch bei der Verkehrsverwaltung. Rüdiger Zech, der das Reinickendorfer Straßenbauamt leitet, bestätigt: Gleich nach der Genehmigung habe man den Auftrag ausgeschrieben. Kaum war der Zuschlag erteilt, „kam der Frost dazwischen.“ Sobald der Boden wieder aufgetaut sei, könne die etwa 14 000 Euro teure Konstruktion endlich installiert werden. Darauf hofft auch die Bahn, zu deren Netz die – bisher ausreichend widerstandsfähigen – Brücken gehören.

Spediteur Peterson hat ein eigenes Rezept gegen Unfälle: Er stelle vorzugsweise Fahrer über 40 ein, weil die umsichtiger seien. Doch in fremden Städten gebe es immer ein Risiko: „Solange die üblichen Pkw-Navis verwendet werden, werden solche Unfälle weiter passieren.“ Spezielle Navigationsgeräte für Lkw seien mit 500 bis 600 Euro arg teuer, „zumal viele Fahrer die Geräte selbst kaufen müssen“. Ein neuer Auflieger kostet allerdings rund 60 000 Euro.

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