Unfall auf der A100 legt Verkehr lahm : Verkehrsinfarkt in der Berliner Rush-Hour

„Es war die Hölle“, sagten Autofahrer. Dabei war der Unfall, der sich am Dienstag früh auf der A100 ereignete, ein fast schon alltäglicher Unfall an einem normalen Morgen in Berlin - doch er legte den Verkehr in der Hauptstadt weitreichend lahm. Aber das lag nicht nur am Unfall.

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Stau im Spiegel. Diesen Blick hatten am Dienstag zehntausende Autofahrer, für die es nicht weiter ging.
Stau im Spiegel. Diesen Blick hatten am Dienstag zehntausende Autofahrer, für die es nicht weiter ging.Foto: dpa

Zweieinhalb Stunden für die Fahrt mit dem Auto von Tegel zum Kurt-Schumacher-Platz in Wedding – eine Strecke, die normalerweise in knapp zehn Minuten zu schaffen ist. Am Dienstagvormittag jedoch war Stau-Tag in der halben Stadt. Verursacht durch einen Unfall mit stundenlanger Vollsperrung der Stadtautobahn A 100 im Bereich des Rathenautunnels am Dreieck Funkturm – und verstärkt durch die Demonstration der angestellten Lehrer, durch neu eingerichtete Baustellen, abgestellte Ampelanlagen und mehr Verkehr, weil zahlreiche Berliner, die sonst ihren Arbeitsplatz zu Fuß oder mit dem Rad erreichen, wegen des Regens aufs Auto umgestiegen waren. „Es war die Hölle“, fasste es der Vorsitzende der Taxi-Innung, Uwe Gawehn, kurz und knapp zusammen.

Gegen 6 Uhr war ein 28-jähriger Autofahrer nach ersten Erkenntnissen mit zu hoher Geschwindigkeit die Auffahrt Schwarzbacher Straße vom Kurfürstendamm zur A 100 hinabgerast. Auf der regennassen Fahrbahn verlor er die Kontrolle, schleuderte nach Angaben der Polizei gegen die Leitplanke und kollidierte mit weiteren Fahrzeugen. Insgesamt wurden vier Autos beschädigt und sieben Menschen verletzt – auch der mutmaßliche Verursacher. Laut Polizei soll der Mann unter Drogeneinfluss gestanden haben, Genaueres müssten jedoch die weiteren Untersuchungen ergeben.

Die Stadtautobahn musste Richtung Süden komplett gesperrt werden, was zu einem kilometerlangen Stau führte. Weil in den Röhren des Flughafentunnels keine Autos stehen sollen, wurde auch dieser zeitweise dichtgemacht. Auch Richtung Norden ging anschließend fast nichts mehr voran, obwohl es dort nach Angaben der Verkehrs-Informationszentrale kein Hindernis gab. Ein Sprecher vermutete, dort sei es zu einem „Gafferstau“ gekommen.

Gegen 11 Uhr konnte eine Spur Richtung Süden freigegeben werden, gegen 13 Uhr waren alle drei Spuren wieder befahrbar. Ein Auffahrunfall bei der Überleitung des Verkehrs von der Avus zum Stadtring führte dort nach Angaben der Polizei nur zu einer kurzen Sperrung. Am Morgen waren viele Autofahrer auf Stadtstraßen ausgewichen, die ebenfalls schnell dicht waren. Auch hier sei der Verkehr schon vorher sehr stark gewesen, teilte die Verkehrs-Informationszentrale mit – wahrscheinlich wegen des Wetters, das nicht zum Laufen oder Radfahren animierte. Durchschnittlich soll sich die Fahrzeit durch die Staus um etwa eine Stunde verlängert haben.

In Taxis läuft dann unerbittlich die Uhr, und das Stehen im Stau kann teuer werden. Eine Wartezeit von einer Minute ist allerdings frei. Und das Zählen beginne immer neu, auch wenn sich das Taxi nur um wenige Zentimeter bewege, sagte Gawehn. Wem es zu lange dauert, der könne auch unterwegs aussteigen. Ausharren müssen dagegen Fahrgäste in Bussen der BVG, die es nicht zur Haltestelle schaffen; Fahrer dürfen die Türen vorher nicht öffnen. Bis zu 70 Minuten verspäteten sich Busse, teilte BVG-Sprecherin Petra Reetz mit.

Durch veränderte Ampelschaltungen zuerst im Bereich Rathenauplatz und dann weiter im Netz habe man den Verkehr flüssig halten wollen, sagte die Sprecherin der Senatsverkehrsverwaltung, Daniela Augenstein. Teilweise sei der Verkehr auch von der Polizei geregelt worden. Zudem habe es schnell Informationen über Sender und Navigationsgeräte gegeben. Mehr könne man nicht machen.

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