Unfall : Dreijähriger überlebt Sturz aus 30 Metern Höhe

Kind fiel in der Gropiusstadt aus dem achten Stock – und brach sich ein Bein Ein ähnlicher Fall im westfälischen Ahlen endete tödlich.

Jörn Hasselmann
Hochaus
Unglückshaus in Rudow: Der Baum federte den Sturz ab, ein kleiner Ast ist gebrochen. -Foto: Uwe Steinert

Es klingt wie ein Wunder: Ein kleiner Junge fällt aus einem Neuköllner Hochhaus und bricht sich bei dem 30-Meter-Sturz nur ein Bein. Glück im Unglück hatte der kleine Oguzhan aus der Gropiusstadt, der seit Samstagabend allerdings im Krankenhaus liegt. Tragisch endete hingegen ein ähnlicher Fall im westfälischen Ahlen. Dort starb ein Mädchen beim Sturz aus dem Fenster. Was war geschehen?

Der Dreijährige aus dem Gropiusstädter Löwensteinring spielte allein in seinem Kinderzimmer; seine Mutter bereitete das Abendessen zu, wie Oguzhans ältere Schwester erzählte, die zum Zeitpunkt des Unglücks vor dem Haus spielte. Vor dem offenen Fenster stand das Bett des Jungen, er musste nur noch über die Heizung aufs Fensterbrett klettern. Und dabei verlor er vermutlich das Gleichgewicht, rutschte ab und fiel in die Tiefe. Die Krone eines etwa acht Meter hohen Baumes federte den Sturz ab, das Kind krachte durch die Äste und landete schließlich in einem Gebüsch. Unten rief der Kleine dann laut immer wieder „Mama“, so beschreiben es Zeugen – bis zum achten Stock hinauf reichte die Kraft seiner Stimme jedoch nicht. Ein Passant holte die Feuerwehr, die das Kind ins Krankenhaus Neukölln brachte.

Die ganze Nacht und den Sonntag wachte die Mutter Bett des verletzten Kindes. Die Ärzte hatten zuvor eine Fraktur eines Oberschenkels diagnostiziert, „und ein paar Prellungen“, wie die Polizei mitteilte. Mittlerweile gehe des dem Kinden den Umständen entsprechend wieder gut, wie eine Freundin der Familie am Sonntag sagte.

Gegen die 31 Jahre alte Mutter ermittelt die Polizei nun wegen des Verdachts der Verletzung der Aufsichtspflicht – das ist üblich in solchen Fällen. Gegenüber den Beamten hatte die Frau gesagt, dass sie nur kurz das Kinderzimmer verlassen habe. Die Freundin der Mutter berichtete, dass diese ihr Kind vermisst und zunächst die Wohnung abgesucht hatte. Dabei habe die Frau auch aus dem Fenster geschaut – doch der Baum verdeckte den Blick das verletzte Kind. Der Vater des Jungen sei gerade in der türkischen Heimat. Angerufen hätte ihn die Mutter noch nicht, damit er sich keine Sorgen mache. Seine Schwester und die Freundin der Mutter beschrieben den Jungen als äußerst lebhaft – der schiebe sich auch schon mal Spielzeug zusammen, um darauf herumzuklettern, hieß es.

Das Glück von Oguzhan hatte das dreijähriges Mädchen einen Tag zuvor im westfälischen Ahlen nicht. Auch dieses Mädchen war beim Spielen aus dem Fenster gestürzt, ebenfalls aus dem achten Stock. Das Mädchen starb wenig später in einer Klinik. Nach Polizeiangaben hatte es mit einer Spielkameradin das Fenster geöffnet, ein Stück Papier hinaus geworfen und hinterhergesehen. Dabei verlor die Dreijährige das Gleichgewicht.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Kindersicherheit (BAG) warnt davor, Kinder alleine in Zimmern mit offenen Fenstern spielen zu lassen. Häufig würden Eltern die Kletterfähigkeiten und die Geschwindigkeit ihrer Kinder unterschätzen. Die Experten empfehlen, speziell gesicherte Fenstergriffe anzubauen, die von Kindern nicht geöffnet werden können. Wichtig sei vor allem, dass keine Möbel vor dem Fenster stehen, die zum Klettern einladen.

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