Berlin : Unfall im Friedrichstadtpalast: Die Laterne kippte wieder, diesmal ins Publikum

Jörn Hasselmann

Nach dem Unglück am Mittwochabend im Friedrichstadtpalast ermittelt nun die Kriminalpolizei wegen gefährlicher Körperverletzung. Eine 42-jährige Zuschauerin musste mit Verdacht auf Schädelbruch ins Krankenhaus gebracht werden. Gestern stellte sich heraus, dass die Frau nur eine Gehirnerschütterung hatte. Eine weitere, 80-jährige Zuschauerin aus Wilmersdorf erlitt Prellungen am Oberschenkel und am Knie. Der 20-jährige Artist aus Prenzlauer Berg, der die 10,4 Meter hohe Laterne abbauen sollte, wurde am Rücken verletzt. Gestern wurde bekannt, dass es am 8. September in der selben Revue beim Auftritt des renommierten Künstlers Fattini einen ganz ähnlichen Unfall gab. Damals stürzte in der Vorpremiere diese Laterne beim Aufbau um, nicht beim Abbau, es gab keine Verletzten. Das Theater änderte die Konstruktion und schaffte ein anderes Seil an. "Das hat offensichtlich nichts genützt", sagte ein Polizeibeamter.

Der Unfall geschah in der "Revue Berlin", die am 9. September offizielle Premiere hatte und seitdem täglich außer montags auf dem Programm steht. Gegen 21 Uhr sollte die überdimensionierte Straßen-Laterne am Ende des ersten Teils der Vorstellung abgebaut werden. Nach Angaben der Polizei wollte der Artist die Laterne mit einem Hebezug an einem Stahlseil aus der im Bühnenboden verankerten Hülse heben. Dabei kippte die Laterne in Richtung Publikum um und schlug mit dem oberen Ende in die erste Sitzreihen, wo die beiden Frauen verletzt wurden. Das Theater alarmierte sofort Feuerwehr und Polizei. Der Kripo schilderte die Leitung des Hauses von sich aus, dass es bei der Vorpremiere einen ersten Unfall gegeben hatte.

Der Intendant des Revuetheaters an der Friedrichstraße setzte diesen Programmpunkt der Revue bis zur Klärung der Unfallursache vom Programm ab. Die sechs Minuten sollen bis auf weiteres durch eine musikalische Einlage überbrückt werden. Die Fattini-Nummer ist seit Jahrzehnten bekannt, schon der Vater des heute 58 Jahre alten Fattini bot seine Jonglagen und Handstände auf der schwingenden, an die 20er-Jahre erinnernden Laterne dar.

Am Mittwochabend ging die Vorstellung nach einer 15-minütigen Unterbrechung weiter. Nach der ersten Auswertung von Videoaufnahmen des Abends handele es sich um menschliches Versagen, teilte der Friedrichstadtpalast mit. Das Theater sagte, dass der Unfall nicht während der artistischen Darbietung geschah, sondern beim Abbau der Requisiten. Ein Premierengast sagte dem Tagesspiegel gestern, dass ihn "dieser Programmpunkt gegruselt und in Angst versetzt habe".

Nach Angaben des Theaters konnten der Artist und die 80-Jährige nach einer ambulanten Behandlung in der Unfallaufnahme der nahegelegenen Charité noch am Abend wieder entlassen werden. Intendant Alexander Iljinskij entschuldigte sich gestern bei den Verletzten.

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