Berlin : Unfall mit Polizei fotografiert – Reporter festgenommen

Auto mit gestohlenen Kennzeichen kollidierte nach wilder Verfolgungsjagd mit Streifenwagen. Ein Journalist wurde in Handschellen abgeführt

Jörn Hasselmann

Nach einer Verfolgungsjagd stellte die Polizei am Donnerstagabend in der Hussitenstraße in Wedding drei Männer, die mit einem Jaguar mit gestohlenen Kennzeichen unterwegs waren. Zuvor hatte der Fluchtwagen eine Funkstreife der Polizei gerammt. Einem Pressefotografen, der die gefesselt auf dem Bürgersteig liegenden Täter fotografieren wollte, wurde die Kamera weggenommen. Dem Reporter wurden Handschellen angelegt. Die Polizei wirft ihm vor, den Einsatz durch sein Blitzlicht behindert zu haben und den Polizeifunk abgehört zu haben. Die drei „Scanner“ zum Abhören des Funks im Wagen des Journalisten wurden beschlagnahmt. Die Kamera bekam der Fotograf in der Nacht wieder.

Fotograf Andreas M. fordert jetzt die Herausgabe auch der Scanner, da der Besitz derartiger Geräte nicht strafbar sei. „Die Geräte im Auto waren ausgeschaltet“, behauptet der Journalist. Die Polizei geht vom Gegenteil aus. Denn nur durch das Abhören des Funks könne der Journalist von der Verfolgungsfahrt erfahren haben, heißt es bei der Polizei. Andreas M. erhielt eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Telekommunikationsgesetz, für ihn bereits die dritte. Der Fotograf verweist dagegen auf Urteile der vergangenen Jahre, in denen Gerichte selbst das Abhören von Polizeifunk nicht ahndeten. Wütend ist der Polizeireporter vor allem darüber, dass die Polizisten ihm am Fotografieren hinderten. Beim Deutschen Journalisten-Verband (DJV) hieß es gestern, dass die Reaktion der Beamten offensichtlich überzogen gewesen sei. Vor allem das Anlegen von Handschellen sei „Schikane“ sagte Bernd Lammel vom DJV. Die Pressestelle der Polizei betonte, dass der Fotograf bei dem Einsatz mehrere Aufforderungen und einen „Platzverweis“ ignoriert habe und deshalb festgenommen worden sei.

Die Polizei setzte auch die Libanesen wieder auf freien Fuß. Einer Zivilstreife war das Auto an einer Tankstelle in Moabit aufgefallen. Da am Wagen gestohlene Kennzeichen montiert waren, wollte sie das Trio überprüfen. In diesem Moment verließen die Männer die Tankstelle ohne zu zahlen; als sie die Streife bemerkten, flüchteten sie. Mit Tempo 100 fuhr der 21 Jahre alte Fatmir F. bei Rot über vier Kreuzungen, an der Hussitenstraße raste er ohne Licht zunächst direkt auf ein quer gestelltes Polizeiauto zu. Im letzten Moment steuerte der Libanese auf den Bürgersteig zu und rammte die Streife, die beiden Polizisten wurden leicht verletzt. Stark beschädigt blieb der Jaguar liegen. Einen Führerschein hat F. nicht.

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