Unfall Statistik : Zahl der Verkehrstoten auf historischem Tiefstand

2007 starben 56 Menschen – 1990 waren es noch fast 200 Opfer. Die Berliner Polizei zieht eine positive Bilanz. Worauf ist dies zurückzuführen?

Jörn Hasselmann
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BerlinDie Zahl der Verkehrstoten ist in Berlin auf den niedrigsten Wert seit 1953 gesunken. 2007 starben 56 Menschen, das sind 18 weniger als 2006. Kurz nach der Wende starben noch um die 200 Menschen im Straßenverkehr. Auch in den Jahrzehnten davor waren die Unfallzahlen nie so niedrig. Bei Unfällen traf es fast immer die Schwächeren: Fußgänger (20 Tote), Radfahrer (14) sowie einen Rollstuhlfahrer. Dagegen ist die Zahl der Unfälle wieder gestiegen, und zwar um 3,5 Prozent auf 125 000. Die Zahl der Verletzten stieg um 2,5 Prozent auf 17 600.

Neue Technik gegen Rotlicht-Sünder

Besorgniserregend entwickelte sich nach Angaben von Polizeipräsident Dieter Glietsch vor allem die Zahl der Rotlichtverstöße. An den 17 überwachten Ampeln wurden im vergangenen Jahr 33 183 Autos geblitzt. 2617 von ihnen hatten schon länger als eine Sekunde rot, für diese Fahrer gab es ein Fahrverbot. Aufgrund der starken Zunahme bei Rotlichtfahrten hat die Polizei technisch aufgerüstet. Ab sofort werden Sünder auch mit einer mobilen Kamera geblitzt. Denn die Erfahrung habe gezeigt, dass die festmontierten Anlagen vor allem Berufskraftfahrern und Pendlern bekannt seien – alle anderen Ampeln würden dagegen munter missachtet.

Nach Angaben von Polizeipräsident Glietsch ist Berlin das erste Bundesland, das für 50 000 Euro diese Technik erworben hat. Die neue Kamera sei nahezu unsichtbar. Einen klassischen Blitz sehe der Fahrer nicht mehr, die notwendigen Gerätschaften seien unauffällig auf der jeweiligen Kreuzung aufgestellt oder an Schildern befestigt. Die Technik ist beweissicher, auf vier Fotos ist der Fahrer hinter der Windschutzscheibe klar zu erkennen. Allerdings wird das Gerät in der nächsten Zeit nur in der Polizeidirektion 2 eingesetzt (Charlottenburg-Wilmersdorf und Spandau). Seit Mittwoch ist auf der Kreuzung An der Urania/Schillstraße/Kurfürstenstraße eine weitere fest installierte Blitzkamera im Einsatz, also die 18. in Berlin. Die Grünen forderten nun, weitere Blitzgeräte anzuschaffen, „um Verkehrsrowdys zu disziplinieren“. Schließlich erwirtschafte ein Blitzer um die 600 000 Euro pro Jahr. Wie die Grünen forderte auch die Deutsche Polizeigewerkschaft gestern, die Einnahmen für Verkehrserziehung und -sicherheit zu verwenden.

Hauptunfallursachen: Alkohol und Drogen

Neben Rot-Sündern soll es in diesem Jahr vor allem Betrunkenen an den Kragen gehen. Alkoholeinfluss steht bei den Hauptunfallursachen auf dem vierten Platz – und 2007 gab es hier eine Zunahme von acht Prozent. Der Polizeipräsident kündigte gestern außerdem an, dass ab sofort bei allen Blutproben wegen Alkoholverdachts gleichzeitig auch ein Drogentest gemacht wird. Denn die Erfahrung habe gezeigt, dass Betrunkene häufig auch unter Rauschgifteinfluss stehen. In jedem Jahr werden 500 Polizisten in der speziellen Erkennung von Drogenkonsumenten fortgebildet. Diese Schulung zeigt Erfolg, am Mittwochabend landeten Beamte den jüngsten Treffer: In der Stargarder Straße in Prenzlauer Berg stoppten sie einen Autofahrer. Der zeigte die klassischen Anzeichen: gerötete Augen, zitternde Augenlider, schwankender Gang. Der 28-Jährige stand nicht nur unter Drogen, er handelte auch damit. In seiner Wohnung wurden dann 2,5 Kilo Rauschgift gefunden.

Dass schärfere Kontrollen erfolgreich sind, zeigt sich nach Angaben von Polizeipräsident Glietsch bei den Rasern. Diese hatten 2007 im Fokus gestanden, die Kontrolldichte wurde um 13 Prozent erhöht: Statt 21 000 Einsätzen 2006 waren es 24 000. Die Zahl der kontrollierten Fahrzeuge stieg um 25 Prozent auf 10,4 Millionen. Ergebnis: 820 000 Autofahrer bekamen einen Bußgeldbescheid. Durch diese intensiven Kontrollen, so Glietsch, sei die Zahl der Raser-Unfälle um 28 Prozent auf 4300 gesunken. Trotz des Rückgangs steht überhöhte Geschwindigkeit bei den Unfallursachen weiter auf Platz 3. Noch häufiger kracht es nur nach Abbiegefehlern (11 000) und Vorfahrtsfehlern (6600). Dramatisch schlechter als in Berlin sieht es in Brandenburg aus. 2007 kamen dort 263 Menschen im Straßenverkehr ums Leben. Pro eine Million Einwohner starben dort 103 Menschen, das ist bundesweiter Negativrekord. In Berlin waren es nur 16 – der beste Wert.

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