Unfallkosten : Teure Tote

Unfälle sind nicht nur im übertragenen Sinn der „Preis der Mobilität“. Berechnungen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) lassen für 2011 einen bundesweiten Gesamtschaden von reichlich 30 Milliarden Euro durch Verkehrsunfälle vermuten. Zum Vergleich: Der gesamte Berliner Landeshaushalt umfasst knapp 22 Milliarden Euro. Die Unfallkosten allein in Berlin 2011 beziffert die Polizei auf 1,1 Milliarden Euro.

Laut einer Studie der BASt (auf Basis des Jahres 2005) machen Sachschäden etwas mehr als die Hälfte der Gesamtkosten aus – bedingt durch den hohen Anteil solcher Unfälle. Sobald auch Menschen zu Schaden kommen, wird es richtig teuer: 4300 Euro volkswirtschaftlicher Schaden entstehen für jeden Leichtverletzten. Für jeden Schwerverletzten, der stationär ins Krankenhaus muss, sind es schon 105 000 Euro. Und ein Getöteter kostet die Gesellschaft sogar mehr als eine Million Euro. Hinzu kommen zumindest auf Autobahnen noch 3000 bis 5000 Euro durch Zeitverluste derer, die hinter dem Unfall im Stau stecken bleiben.

Was die Verkehrstoten so teuer macht, ist ihr Verlust für die Gesellschaft: Rund 521 000 Euro Euro Wertschöpfung gehen verloren, weil der Betroffene als Arbeitskraft und Konsument fehlt. Weitere 437 000 Euro hat die BASt für „außermarktliche Wertschöpfung“ ermittelt. Gemeint sind nützliche, aber unbezahlte Tätigkeiten wie Kinderbetreuung durch Eltern. Hinzu kommen 31 000 Euro „humanitäre Kosten“ wie Schmerzensgeld oder psychologische Betreuung für die Hinterbliebenen. Allein die medizinische Versorgung ist bei Schwerverletzten mit 14 000 Euro (Tote: 5000 Euro) teurer. Rein mathematisch betrachtet, kostet jeder Verkehrstote die Gesellschaft unterschiedlich viel, weil etwa der Tod eines frisch gebackenen Hochschulabsolventen einen höheren Ressourcenausfall bedeutet als der eines Rentners. Für die Berechnung jedoch wurden die Kosten anhand der Altersgruppen und ihrer Beteiligung an Unfällen gemittelt.

rein wirtschaftlich kann ein Teil dieser Kosten auch als als Wertschöpfung betrachtet werden: Tausende Ärzte, Anwälte, Werkstätten und Versicherungsmitarbeiter leben davon, dass es Verkehrsunfälle gibt. Das Gros der Kosten trägt die Allgemeinheit – über Versicherungsbeiträge, Krankenkassen und als Steuerzahler.

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