Berlin : Unfallstatistik: Diesmal wurde kein Kind Opfer des Verkehrs

Jörn Hasselmann

Im vergangenen Jahr ist kein Kind im Straßenverkehr ums Leben gekommen: Dies ist die beste Nachricht der Verkehrsunfallbilanz 2000 der Polizei. 1999 und 1998 waren jeweils sechs Kinder unter 14 Jahren von Autos getötet worden. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der Verkehrstoten berlinweit von 103 deutlich auf 89. Damit hat sich die Zahl jedoch lediglich wieder dem Niveau der Jahre 1997 (87 Tote) und 1998 (85) angeglichen.

Von den 89 Getöteten waren 33 zu Fuß, 15 auf dem Motorrad und 17 mit dem Fahrrad unterwegs. 24 Pkw- und Lkw-Insassen starben. Im Vergleich zu den bundesweiten Zahlen fällt auf, dass nur wenige Autofahrer getötet wurden. Im Bundesschnitt saßen fast zwei Drittel aller Unfallopfer in Pkw und Lkw. Theoretisch kann sich die Zahl bis Ende Januar noch über die 89 hinaus erhöhen, da die Statistik Verkehrstote auch erfasst, die in den 30 Tagen nach einem Unfall sterben.

Die relativ gute Bilanz im Jahr 2000 geht in Berlin vor allem auf den starken Rückgang der Anzahl getöteter Fußgänger zurück. 1999 waren noch 48 Fußgänger getötet worden. Wieso die Unfallstatistik im Jahr 1999 mit insgesamt 103 Toten derart nach oben gegangen ist, darüber rätselt die Polizei noch immer. Auch das Jahr 2000 hat ausgesprochen schlecht angefangen: Allein am Neujahrstag starben vier Menschen in Berlin. In den folgenden neun Tagen gab es aber nur ein Todesopfer. Am 2. Januar war ein 95-jähriger Fußgänger auf dem Malchower Weg von einem Lkw überfahren worden, der Mann starb wenig später im Krankenhaus an seinen schweren Kopfverletzungen.

Auffällig ist in Berlin neben der weiterhin hohen Gefahr für Fußgänger das hohe Risiko für Radfahrer. Die Polizei hatte deshalb schon im September, als sich eine hohe Zahl toter Radler abzeichnete, gemeinsam mit der Verkehrsverwaltung ein 10-Punkte-Programm zur Verringerung der Unfallgefahr verkündet. Denn auffällig war, dass 75 Prozent der Unfälle mit schweren Verletzungen oder Toten mit den klassischen Rechtsabbiegefällen zu tun hatte. Die Polizei warnt mittlerweile vor den konventionell angelegten Radwegen, weil diese "leider nur eine trügerische Sicherheit bieten". Denn in jedem Jahr sterben Radler, die von Rechtsabbiegern übersehen wurden. Häufig verstellen Falschparker die Sichtverbindung zwischen Straße und Radweg.

Sicherer soll das Radfahren werden, indem die Ampeln für Radler einige Sekunden eher auf Grün springen als die für Autofahrer; zudem sollen die Haltelinien für Radler vor die für Autos gelegt werden. So bekommen Zweiräder an Kreuzungen einen gewissen Vorsprung vor anfahrenden Autos. An Kreuzungen mit vielen rechtsabbiegenden Lkw sollen gelbe Warnblinklichter installiert werden. Außerdem plädiert jetzt auch die Polizei für Radfahrstreifen auf der Straße, links von parkenden Autos - denn dort werden Zweiräder ganz automatisch gesehen. Zur Zeit werden 50 Straßen darauf geprüft, ob derartige Radstreifen markiert werden können. Diese werden seit Jahren von Fahrradverbänden gefordert. Besonders die Berliner Verkehrspolitik verbannte Radler aber lange auf den Gehweg, denn die Straße sollte "frei" bleiben für Autos.

Das neue 10-Punkte-Schutzprogramm soll die Zahl der Rechtsabbiegeunfälle um 5 Prozent verringern. Die Polizei hofft auf einen ähnlichen Erfolg wie bei Kindern im Verkehr. Die Polizei hatte die Überwachung von Autofahrern an Schulwegen und vor Kindergärten in diesem Jahr verstärkt.

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