Unfalltod : "Ein Gerichtsurteil wäre wichtig gewesen"

Gisela K. (73) ist die Witwe des vor zwei Monaten am Potsdamer Platz überfahrenen Rentners Johannes K. Im Tagesspiegel-Interview spricht sie über Weihnachten, den Todesfahrer und dessen eigenen Unfalltod.

Unfall
Die Berliner Polizei rekonstruierte im Dezember den Unfall vom Potsdamer Platz. -Foto: Polizei Berlin

Gisela K. (73) aus Zwickau ist die Witwe des Rentners Johannes K. (77), der am 18. Oktober am Potsdamer Platz von einem BMW totgefahren wurde. Der Unfallfahrer flüchtete anschließend. Sie war mit ihrem Mann als Touristin in Berlin und musste den Unfall mitansehen.

Frau K., wann haben Sie erfahren, dass der Raser, der Ihren Ehemann getötet hat, am Wochenende selbst in den Tod gerast ist?

Ich habe es am Montag von einer Journalistin erfahren. Ich muss ehrlich sagen, im ersten Moment denkt man: Es ist eine gerechte Strafe. Andererseits wäre es auch wichtig gewesen, dass der Mann vom Gericht abgeurteilt wird. Aber man weiß ja nicht, ob das je passiert wäre. Dem Verdächtigen, den sie zuerst beschuldigten, konnte die Polizei ja auch nichts nachweisen.

Der mutmaßliche Todesfahrer, ein 19-Jähriger, ist ein vorbestrafter Serientäter.

Ja, das ist alles unfassbar. Man kann doch nicht so mit Menschen umgehen: Jemanden totfahren und sich dann nicht der Verantwortung stellen. Zehn Wochen ist es jetzt her, dass mein Mann in Berlin ums Leben kam. All die neuen Entwicklungen wühlen mich natürlich wieder auf. Ich bin seit dem Unfall noch gar nicht richtig zur Ruhe gekommen.

Sie haben den Unfall miterlebt …

Ich war schon auf der anderen Seite des Ampel-Übergangs auf der Potsdamer Straße. Wir waren an dem Abend mit einem befreundeten Ehepaar unterwegs. Ich drehte mich nach meinem Mann um, und da geschah es. Ich habe den Wagen kaum gesehen, so schnell war der. Nur den lauten Motor hörte ich – und keinerlei Bremsgeräusch.

Wird Ihnen jetzt jemand Weihnachten beistehen?

Ja, das wird ein Weihnachten voller Tränen im Kreise der Familie – ich habe drei Söhne und vier Enkelkinder.

Das Gespräch führte Tanja Buntrock

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