Berlin : Ungalanter Streit um Sommergala auf dem Gendarmenmarkt

Bezirksamt fühlt sich getäuscht – Veranstalter drohen mit Anwalt

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Der Streit um die Nutzung des Gendarmenmarktes eskaliert. Die Eventmanagerin Beate Wedekind, die am 29. August auf dem Platz ein Sommerball zugunsten des Französischen Domes organisieren wollte, geht nun juristisch gegen das Bezirksbauamt von Mitte vor. Zum einen legte sie Widerspruch beim Amt ein, weil dieses den Ball nicht genehmigte (wir berichteten). Zum anderen engagiert sie einen Anwalt, um sich gegen die Aussage des zuständigen Tiefbauamtsleiters Harald Büttner zu wehren, sie habe sich die Genehmigung erschleichen wollen. Hintergrund: Wedekind organisiert auch das Konzert zum 100jährigen Bestehen des ADAC am 28. August auf dem Gendarmenmarkt und wollte eine Infrastruktur für drei aufeinander folgende Feste nutzen – für den ADAC, den Benefizball und ein Kinderfest. „Ich habe den Fehler gemacht, alle drei Veranstaltungen mit einem Antrag beim Tiefbauamt eingereicht zu haben und nicht drei einzelne bürokratische Vorgänge in Gang gesetzt zu haben“, sagt Wedekind. „Dass das Tiefbauamt den Antrag nicht bis zu Ende gelesen hat, ist nicht mein Problem.“ Büttner hält dagegen „Die Veranstalterin wollte uns täuschen, indem sie den Eindruck erweckte, das sei alles für den ADAC.“

Tiefbauamtschef Büttner greift auch den Verein der Förderer und Freunde des Gendarmenmarktes an, der Nutznießer des Benefizballes sein sollte. Laut Wedekinds Antrag sollten die am Platz anliegenden Restaurants die Bewirtung der Ballgäste übernehmen, darunter auch das „Refugium“ der Vereinsvorsitzenden Ada Withake-Scholz. Der Vorwurf des Tiefbauamtes: Die Restaurants hätten von dem Ball profitiert, denn nur der Gewinn sollte gespendet werden.

Die Vereinschefin weist den Vorwurf zurück. „Die Veranstalterin hat mich gefragt, ob ich das Catering sponsern will – ich habe abgelehnt, denn dafür ist das Refugium nicht ausgestattet.“ Auch sie erwägt, gegen die Kritik des Amtes juristisch vorzugehen.

Unterdessen klagen die Anlieger des Gendarmenmarktes über die hohe Zahl der Veranstaltungen. „Wir sind am Sonntag von den 30 000 Besuchern des Chor-Konzertes auf dem Platz regelrecht überrannt worden“, klagt Withake-Scholz. Denn das Bezirksamt habe es versäumt, vom Veranstalter die Aufstellung öffentlicher Toiletten zu fordern. Das gleiche sei beim Kirchentag passiert. „Zwei Massenveranstaltungen binnen zweier Wochen – der Kirchentag und das Chorfest – sind zu viel für den Platz.“ I.B.

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