Berlin : Ungestört

Das Firmenjubiläum von McKinsey begann Unter den Linden – unbehelligt von Protesten

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Ein gleichermaßen privates und doch sehr öffentliches Sommerfest sollte es werden – doch der Sommer spielte nicht mit. Im Schutz tausender weißer Regenschirme flanierten die Mitarbeiter der deutschen McKinsey-Niederlassung am Freitagnachmittag den Mittelstreifen Unter den Linden hinunter, um in der Hauptstadt das 40. Firmenjubiläum zu begehen. Dabei blieben sie vorerst unbehelligt von den Attac-Demonstranten und Hartz-IV-Gegnern, die sich schon ab 14 Uhr an der Neuen Wache versammelt hatten und gegen den ihrer Auffassung nach neoliberalen Zeitgeist protestierten, den sie durch die Unternehmensberatung verkörpert sehen. Die Firma stehe „wie kaum ein anderes Unternehmen für neoliberale Politik und die Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich“, sagte ein Sprecher am Rande einer „öffentlichen Armenspeisung“.

Doch bis in den Abend hinein blieb alles ruhig. Nach und nach stiegen die Mc-Kinsey-Mitarbeiter, mit Partnern rund 5000 Menschen, auf der Westseite des Brandenburger Tors aus den Bussen, ließen sich mit Schirmen und Lunchpaketen ausrüsten, mischten sich unter die Touristen, von denen sie sich durch ihre überdurchschnittlich elegante Kleidung deutlich abhoben, und spazierten dann in Richtung Osten. Auf der Mittelinsel wurden sie an zahlreichen Ständen mit Getränken versorgt und mit nummerierten Wegweisern zu verschiedenen Orten gelenkt, die sich nur aus den vertraulichen Programmen ergaben. Viele steuerten bereits nach wenigen Schritten die stark gesicherte russische Botschaft an, in der offenbar eine Auftaktveranstaltung stattfand. Andere unterhielten sich mit den Installationen des Künstlers Armel Réau, der unter anderem ein zotteliges, knurrendes Monster im Holzverschlag aufgestellt hatte und Modellautos durch einen transparenten Kunststoffschlauch in ein überdimensionales Klo rollen ließ.

Währenddessen wirkten die Demonstranten an der Neuen Wache um ihren Regionalguru Peter Grottian eher ratlos. Unter dem Knattern eines Generators und begleitet von lauter Rockmusik gab er ein paar Interviews, und ein Sprecher der Organisatoren erläuterte das weitere Vorgehen: Man erkenne die Mc-Kinsey-Leute an den weißen Schirmen, sagte er, und am erfolgversprechendsten sei wohl das Vorgehen in Kleingruppen: „Seid mal selber kreativ.“ Dann passierte freilich nichts, zumal der Boulevard sich angesichts des andauernden Nieselregens wieder leerte; ein Buffet, das sich zum angekündigten Plündern geeignet hätte, war nirgendwo zu sehen, und auch der Inhalt der Lunchpakete wirkte nicht wie die Luxusschau berüchtigter Jobkiller.

Die Polizei, die rund 500 Beamte aufgeboten hatte, hielt sich auffällig zurück. In den Nebenstraßen waren Mannschaftswagen geparkt, einige Beamte liefen Unter den Linden auf und ab, private Sicherheitsleute mit gelben Westen standen gleichmäßig verteilt. Am Abend liefen zahlreiche Veranstaltungen, unter anderem im Berliner Rathaus, im Dom und im Palast der Republik. Störungen blieben aus. bm

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